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Einsatz von Regula Käser

Beruf / Ausbildung

Lehrerin für Sekundarschule mit Spezialisierung in der Sonder- und Heilpädagogik

 

Einsatzland

Namibia

 

Einsatzort

Katima Mulilo, Region Zambezi

 

Einsatzdauer

01. Oktober 2017 – 30. September 2020

Einsatz

Regula Käser ist ausgebildete Sekundarschullehrerin mit mehrjähriger Arbeitserfahrung. Zudem hat sie sich auf Sonder- und Heilpädagogik spezialisiert, was sie für die Arbeit in der Thematik Inklusion besonders auszeichnet.

 

Die Direktion für Bildung hat sich zum Ziel gesetzt, die inklusive sowie die vorberufliche Bildung in der Region Zambezi einzuführen. Regula Käsers Hauptaufgabe wird darin bestehen, die Bildungsdirektion bei dieser Aufgabe zu beraten und zu unterstützen.

 

Durch den Einsatz von Regula Käser soll inklusive Bildung für alle Lernenden in der ganzen Region Zambezi zugänglich werden. Besondere Aufmerksamkeit kommt dabei lernschwachen Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernen und sozial schwachen Familien zu. Die stufenweise Einführung der vorberuflichen Bildung, die durch Regula Käser begleitet wird, soll den unterschiedlichen Potentialen der Kinder und Jugendlichen gerecht werden; für ein erfolgreiches und lebensnahes Lernen im heimischen Kontext.

Partnerorganisation "Directorate of Education, Zambezi"

Die Direktion für Bildung in der Provinz Zambezi, welche an Sambia und Botswana grenzt, ist Teil des namibischen Ministeriums für Bildung.

 

Aufgabe der Direktion in dieser Region ist die Sicherstellung von qualitativ hochwertiger und inklusiver Bildung für alle Schüler. Speziell der Ansatz der Inklusion soll auf allen Ebenen im Bildungsbereich verstärkt werden.

Fortbildung von Lehrpersonen: Ein Schlüssel zum Erfolg

Fast alle Kinder in Namibia besuchen die 1. Klasse. Doch weniger als die Hälfte beendet die Schule. Was sind die Gründe? Warum gilt der Zugang zur Schule für alle in Namibia weitgehend nur auf dem Papier? Und wie kann Lehrerfortbildung – etwa durch INTERTEAM – dies ändern?

Ein Interview mit unserer Fachperson Regula Käser.

 

INTERTEAM (IT): Regula, vier Jahre nach Einführung der «Inclusive Education Policy» wird in den Klassenzimmern Inklusion, also die Gleichbehandlung und Eingliederung von Schulkindern mit Beeinträchtigungen, nur spärlich praktiziert. Warum?

 

Regula: Das namibische Schulsystem kennt keine Niveauklassen. Somit werden lernschwache oder beeinträchtigte Schülerinnen und Schüler häufig allein gelassen und erhalten kaum Förderung, die ihren Fähigkeiten entspricht. Ursachen dafür sind unter anderem die ablehnende Haltung wichtiger Akteure gegenüber Beeinträchtigungen, fehlende Weiterbildungen und Ressourcen sowie mangelhafte Infrastruktur.

 

IT: Wie wirkt sich dies auf die Unterrichtsqualität generell aus?

 

Regula: Verständlicherweise leidet sie stark darunter, was auch dazu führt, dass in Namibia nicht einmal die Hälfte der Kinder und Jugendlichen die Schule beendet – fast alle besuchen die 1. Klasse, doch brechen ab der 5. und auffällig viele ab der 8. Klasse die Schule ab; in diesen Klassen finden sich auch die höchsten Repetitionsraten.

 

IT: Gibt es weitere Faktoren für die hohe Abbruchrate?

 

Regula: In Namibia sind neben Beeinträchtigungen der Schulkinder oft auch Teenager-Schwangerschaften oder HIV/AIDS weitverbreitete Probleme, die zu den häufigen Abbrüchen führen können. Aber auch die generelle Armut trägt dazu bei: Für die Sekundarschule fallen für viele Familien noch Hostelkosten an, da es in der ganzen Zambezi Region nur 10 Senior Secondaryschools gibt. Viele können sich diese kaum leisten, auch wenn der Staat die Hostels subventioniert.

 

"Nicht einmal die Hälfte der Schulkinder beendet die Schule!"

Regula Käser

 

IT: Ein zentrales Ziel deines Einsatzes ist die Durchführung von Lehrerweiterbildungen im Nordosten Namibias. Wo konntest du bereits solche Weiterbildungen durchführen?

 

Regula: Von der Erziehungsdirektion erhielt ich in diesem Jahr die Zustimmung Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer an der Mulumba-Primarschule zu organisieren. Viele Kinder, die dort die Schule besuchen, leiden an Zerebralparese, einer starken Bewegungsstörung ausgelöst durch eine frühkindliche Hirnschädigung. Sie haben oft Schwierigkeiten mit Schreiben oder Sprechen.

 

IT: Aber wie sollen solche Weiterbildungen eine bessere Inklusion ermöglichen und die Abbruchrate senken?

 

Regula: Bei solchen Fortbildungen arbeiten wir mit den Lehrpersonen stark an einem gemeinsamen Verständnis von inklusiver Bildung. Denn bislang legten sie den ausführlichen Lehrplan exakt aus und alle Lernenden erhielten die gleichen Aufträge. Folglich galt es den Lehrkräften aufzuzeigen, wie sie ihren Unterricht inklusiver und differenzierter aufbauen können. Im Fokus stand also eine Sensibilisierung für die inklusive Schulbildung, die Vermittlung von Faktenwissen über Zerebralparese sowie über spezifische Lernschwächen.

 

IT: Nenn uns doch einige Beispiele.

 

Regula: Wir schauten mit den Lehrpersonen konkrete Fallbeispiele an und formulierten Unterstützungsmassnahmen. Dabei konnten die Lehrpersonen sehen, dass sie bereits mit einfachen Anpassungen, wie etwa der Umwandlung schriftlicher Aufträge in mündliche oder einem Arbeitsblatt mit viel Platz zum Schreiben, Lernen erfolgreicher gestalten können. Solche niederschwelligen Unterstützungsmöglichkeiten für den Schulalltag stiessen auf sehr grossen Anklang und machten auch das abstrakte Konzept von inklusiver Bildung verständlicher. Dies wird zukünftig die Qualität im Schulunterricht steigern, was wiederum die Abbruchrate verkleinert.

 

IT: Besten Dank Regula für deinen Einsatz und deine Ausführungen.

Lehrerweiterbildung durch Fachperson Regula Käser an der Mulumba-Primarschule im Nordosten Namibias.

 

Ein Stärkerer Schüler hilft einem schwächeren bei seinen Aufgaben.

 

 

Jetzt das Zusatzinterview mit der namibischen Lehrerin Emily Kangungu lesen in der Ausgabe von DER AUSTAUCH (Seite 12).