5 grösste Herausforderungen&Probleme im Einsatz | INTERTEAM

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die 5 grössten Herausforderungen im Einsatz

INTERTEAM-Fachleute leisten Erstaunliches und erleben bereichernde Momente, die sie ein Leben lang prägen. Sie nehmen aber auch unzählige Entbehrungen in Kauf. Und täglich müssen Probleme bewältigt werden, auf die man sich nur schwer vorbereiten kann. Welches die grössten Herausforderungen und Schwierigkeiten im Einsatz von Linda und Florian Stamm waren, erzählen Sie uns in diesem Beitrag. Sie lebten und arbeiteten für 4,5 Jahre in Tansania.

Im Einsatz mit INTERTEAM warten grosse Herausforderungen auf unsere Fachleute

Herausforderung 1: Die Sache mit der Gesundheit

Was Leute wissen sollten, wenn Sie in Tansania leben wollen: Ausserhalb von Dar es Salaam, der grössten Stadt in Tansania, existiert kein einfacher Zugang zu medizinischer Grundversorgung. Wenn man wie wir rund 1000 Kilometer von Dar es Salaam entfernt wohnt, sollte man sich diese Tatsache permanent vor Augen führen. Das tansanische Gesundheitswesen ist wirklich sehr schlecht; man muss es erlebt haben, um es zu glauben.

 

Gerade in Sachen Malaria sind zwar die Medikamente meistens vorhanden, doch die Diagnosestellung ist mehr als miserabel. Ein leichtes Fieber wird so gut wie immer als Malaria diagnostiziert. Dass es aber auch einfach ein viraler Infekt sein könnte, wird oft nicht ansatzweise in Betracht gezogen. Somit wird auch alles mit Anti-Malaria-Medikamenten zu behandeln versucht.

 

Bei Gastrointestinal-Geschichten wird es dann schon sehr schwer, denn viele Labore werden den Standards nicht einmal annähernd gerecht und Falschdiagnosen sind an der Tagesordnung. Auch unplanbare Unfälle können ausserhalb von Dar es Salaam verheerende Folgenden haben. Denn im Norden, wo wir gelebt haben, existiert kein Rettungsdienst, Blutkonserven sind nicht sicher und Infektionen gehören zum Spitalalltag und können böse enden.

 

Florian in der Informatikausbildung in Tansania.

Herausforderung 2: Das liebe Geld

In Tansania nach Geld gefragt zu werden, ist nichts Ungewöhnliches. Die gesamte Community sieht einen als Teil der Lebensgemeinschaft, also wird man, logischerweise, auch ungeniert und ungefragt in die Pflichten dieser Gesellschaft miteingebunden.

 

Zum Beispiel wäre hier das schwer kranke Nachbarskind, welches dringend Medikamente benötigt. Doch investiert der Vater sein Geld lieber in sein geliebtes Bier, als für seine kranke Tochter Medikamente zu besorgen. Die "Weissen" von nebenan würden sicher für die Medikamente der Tochter bezahlen. Oder man befindet sich auf dem Markt und begegnet Bekannten. Es starten die Begrüssungsfloskeln und es wird über dieses und jenes gesprochen, bis plötzlich das zentrale Problem im Raum steht: Die Schulgebühren des Sohnes sind fällig. Doch vor einer Woche musste der Schwiegervater beerdigt werden, weshalb aktuell kein Geld für die Schule des Sohnes zur Verfügung steht.

 

Eine dicke Haut zu haben, ist in solchen Momenten wertvoll, um sich nicht für alle tragischen Fälle verantwortlich zu fühlen. Wir mussten lernen "nein" zu sagen. Dies ist schwierig, insbesondere, wenn Kinder betroffen sind; denn dann möchte man immer in die Tasche greifen und helfen. Doch ist es mit einer einmaligen finanziellen Hilfe nicht getan. Denn wer einmal hilft, hilft sicherlich auch ein zweites Mal, das die genrelle Annahme. Solche Dinge sprechen sich in der Community schnell herum. Und bevor man sich versieht, haben plötzlich alle aus der Gemeinschaft Geldprobleme und benötigen unsere Hilfe.

 

Wir durften festellen, dass NEIN sagen bei Geldanfragen kommentar- und wertlos akzeptiert wird, da auch Tansanier untereinander permanent nach Geld fragen. Es lag somit mehr an uns, die Einstellung zu ändern, immer und überall helfen zu wollen.

 

Herausforderung 3: Die flexible Wahrheit

Was genau wahr oder unwahr an einer Geschichte ist, wird oft individuell beurteilt. Ein Umstand, der es uns insbesondere zu Beginn des Einsatzes nicht immer einfach machte. Denn in Tansania existieren oft viele Versionen der gleichen Geschichte. Anfänglich schenkt man dem Erzählenden gerne Glauben. Oft geschieht es auch, dass der Erzählende selber nicht weiss, dass er gerade Unwahrheiten verbreitet und somit Gerüchte in die Welt setzt.

 

Nehmen wir beispielsweise den Mord in einer Community, von dem bis zu sechs verschiedene Versionen zum Tathergang erzählt wurden: Von "sie erlitt nach einem Überfall nur einige Kratzer" bis "sie ist verstorben".

 

Kleine Schwindeleien begegneten uns auch bei der Arbeit. Auf die Frage, ob jemand bereits etwas Bestimmtes erledigt hätte, kann die Antwort schon mal heissen: "Klar, ist bereits erledigt; ich habe es nur zu Hause vergessen, bringe es aber morgen mit". Bis zum nächsten Morgen dauert es dann eine Woche, oder der nächste Morgen kommt gar nie ;-) Solche Schwindeleien sind vielfältig und die Ursachen reichen von Unwissenheit bis zu Angst über den Gesichtsverlust.

 

Herausforderung 4: Wo sind die Ohrenstöpsel?

Wer in Tansania leben möchte und aus der Schweiz kommt, sollte sich eines bewusst sein: Manchmal kann es laut werden. Sogar sehr, sehr laut. Gottesdienste, Hochzeiten oder Beerdigungen können ein Ausmass erreichen, welches die eigenen Nerven, insbesondere aber das Trommelfell, stark auf die Probe stellen.

 

Wochenlang kann die Musik im Nachbargarten im Endlosmodus laufen – in der allerhöchsten Lautstärke und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Kleine Pausen sollen vorkommen, dauern dann aber von 6 Uhr morgens bis vielleicht zur Mittagszeit. Dabei spielt es keine Rolle, ob man zur Arbeit gehen muss oder ein kleines Kind hat, welches Schlaf benötigt. Solche Anlässe sind Freipässe für "Rund-um-die-Uhr"-Beschallungen.

 

Bitten, die Lautstärke ein wenig zu drosseln, werden zur Kenntnis genommen und belächelt, ändern aber leider wenig. Die einzige Möglichkeit dem zu entkommen: Entweder man verlegt seinen Aufenthalt temporär in eine andere Gegend, in der diese Art der Lärmbelastung geringer ist, oder man fährt in die Ferien ;-)

 

 

Linda bei einem Gesundheitsworkshop im Norden Tansanias.Herausforderung 5: Das Kontroll-Cabaret

Anstrengend aber amüsant zugleich sind die regelmässigen Strassen- und Autokontrollen. Leider ist Korruption in Tansania immer noch weit verbreitet und auch als Verkehrsteilnehmer oder Verkehrsteilnehmerin ist man dagegen nicht gefeit. Beispielsweise wenn Behördenvertreter erkennen, dass ein offensichtlicher Ausländer im öffentlichen Bus mitreist oder ein Fahrzeug lenkt. Dann kommt es zum Standardprozedere: 

1. Die Frage nach Ausweisen
2. Nach Durchsicht der Papiere der Hinweis, dass angeblich ein Stempel fehlt oder man zu schnell gefahren ist
3. Einforderung der standardmässigen Busse

Diese Geschichte durften wir uns, während des Aufenthalts in Tansania, einige Male anhören. Da die Vorwürfe in diesen Momenten erfunden sind, wir jedoch die Korruption nicht weiter unterstützen möchten, bleibt nur ein Ausweg: Sein schauspielerisches Geschick demonstrieren.

 

"English please", in Kombination mit einem breiten Lächeln (welches die Gemütlichkeit einer wandernden Sanddüne ausstrahlt), sind die einzigen Mittel, den Ausführungen des Polizisten auf Suaheli entgegenzuwirken. Wenig vorteilhaft in solchen Momenten ist die Eile. Obwohl wir die Sprache Suaheli gut verstehen, lassen wir uns dank konsequentem "english please?!" nichts anmerken.

 

Einfach so tun, als hätte man die nächsten 24 Stunden nichts Wichtigeres vor als kontrolliert zu werden und schön weiterlächeln. Spielen wir unsere Rolle genügend überzeugend, wird es den Behördenvertretern irgendwann zu langweilig. Dann lässt man uns weiterfahren, ohne dass wir einen (unrechtmässigen) Schilling bezahlen. Denn viel mehr als "drivers license please" oder "passport please" lässt der englische Wortschatz der Kontrollierenden oftmals kaum zu.

 

Linda & Florian Stamm

Linda und Florian Stamm beendeten nach über 4 Jahren erfolgreich ihre Einsätze in Tansania.

 

Linda und Florian leisteten mit ihrer jungen Tochter Ajuni von 2014 bis 2018 zwei INTERTEAM-Einsätze in Tansania.

 

Als Umweltwissenschaftlerin unterstützte Linda die Partnerorganisationen ACT Mara, wie auch die Maji Safi Group in Shirati; u.a in der Durchführung von Präventionsprojekten im Bereich Gesundheitsförderung und Tropen-/Wasserkrankheiten.

 

Florian unterstützte als Informatiker u.a. die ACT Mara und das Shirati KMT-Spital bei der elektronischen Patientenerfassung und einer effizienten Verarbeitung/Übermittlung von Patientendaten.

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