Berufliche Neuorientierung oder temporäre Herausforderung? | INTERTEAM-Blog

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Berufliche Neuorientierung oder temporäre Herausforderung?

Was erwarten Schweizerinnen und Schweizer von einem Einsatz in der Entwicklungszusammenarbeit (EZA)? Wie gelingt der Einstieg in diesen Berufsbereich oder welche besonderen Skills können sich Berufsleute während eines Einsatzes aneignen? Antworten liefert uns Beat Geiser, Senior Berater und Trainer bei cinfo.

Herr Geiser, Sie sind bereits seit Jahren als Berater bei cinfo tätig. Welches sind Motive von Fachleuten, einen PEZA-Einsatz (Einsatz in der Personellen Entwicklungszusammenarbeit) zu machen?

Ich stelle zwei Hauptmotive fest: Zum einen bevorzugen viele Leute eine Arbeit nahe an der Basis, nahe an der direkten Umsetzung von Vorhaben und nahe bei der Zielbevölkerung. Andererseits sind für erfahrene Berufsleute ohne IZA-Erfahrung die Möglichkeiten ausserhalb der PEZA oft ziemlich beschränkt.

 

Wie steht es heutzutage generell noch um das Interesse bei Schweizer Berufsleuten, sich für einen PEZA-Einsatz zu melden?

Vielleicht stellen sich heute mehr Leute die Frage, ob und wie sie die EZA (Entwicklungszusammenarbeit) oder IZA (Internationale Zusammenarbeit) zu ihrem Beruf machen, d. h. sich anschliessend nach einem Einsatz im Bereich etablieren können. Einige kommen mit Vorkenntnissen aus dem Bereich der Personellen Entwicklungszusammenarbeit zu uns. Andere entdecken dieses Feld neu. Ich habe den Eindruck, dass zu Beginn nicht das Interesse an der PEZA im Vordergrund steht, sondern eher eine Kombination aus Vorstellungen und Möglichkeiten. Für einige sind die bescheidenen finanziellen Bedingungen aber ein Hindernis.

 

Gibt es demnach vermehrt Kandidaten/Kandidatinnen, die einen PEZA-Einsatz als Karriereeinstieg in die EZA/IZA suchen?

Die Frage, ob ein beruflicher Einstieg in die IZA über einen PEZA-Einsatz möglich ist, wird mir häufig gestellt; denn gerade Quereinsteigern und Quereinsteigerinnen stehen ja nicht viele andere Möglichkeiten offen. Ich kann die Frage aber nicht abschliessend beantworten. Es kommt auf die einzelnen Tätigkeiten und Erfahrungen während des Einsatzes an. Aber die Möglichkeit besteht durchaus.

 

 

«Ich habe den Eindruck, dass zu Beginn nicht das Interesse an der PEZA im Vordergrund steht,

sondern eher eine Kombination aus Vorstellungen und Möglichkeiten.»

 

 

Was sind in Ihren Augen die zentralen Voraussetzungen für eine Berufskarriere in der EZA/IZA?

In erster Linie ist es die Fähigkeit, mit Widersprüchen, Paradoxen und Imperfektion umgehen zu können. Die Herausforderung besteht darin, Energie in eine Situation zu bringen, ohne den Wagen selber zu ziehen.

Zudem geht es um Selbstreflexion und die Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen und zu erhalten, auch zu Menschen, die einem spontan vielleicht weniger nahe sind. Und all dies auf einer Grundlage von oder zusammen mit beruflichem Können. Es liegt auf der Hand, dass dies alles nicht von Anfang an da sein kann. Aber ohne die Entwicklung dieser Fähigkeiten wird es eher schwierig für eine längerfristige Karriere in diesem Bereich.

 

Gibt es noch andere Aspekte, die einen Einstieg begünstigen können?

Neben fachlichen Voraussetzungen und Ansätzen des oben Erwähnten ist wohl ein langer Atem eine sehr gute Eigenschaft, die den Einstieg in einen Einsatz erleichtern. Auch eine motivierte, mitausreisende Familie kann unterstützend wirken. Im Gegenzug wirkt aber eine Familie, die nicht mitmacht (oder unglücklich ist), eher belastend.

 

Welche Tipps haben Sie für Quereinsteiger/-innen und junge Berufsleute, die eine Berufskarriere in der EZA/IZA suchen? Gibt es Möglichkeiten, sich auf eine Karriere in der EZA/IZA vorzubereiten?

Das ist nicht einfach zusammenzufassen. Denn die Ausgangssituation ist für Quereinsteiger/-innen und jüngere Berufsleute nicht ganz die gleiche. Generell ist aber entscheidend, dass man sich über die eigene Motivation, in der EZA/IZA zu arbeiten, im Klaren ist und dass diese Motivation einem realistischen Bild entspricht. Empfehlen kann ich hierzu auch den Besuch eines Reflexionstags bei cinfo oder einer Informationsveranstaltung bspw. bei INTERTEAM.

 

Bei welchen Berufsbildern bestehen bessere Chancen, nach einem PEZA-Einsatz in der EZA/IZA Fuss zu fassen?

In der EZA sind Kenntnisse der Kontexte zentral: Welche Erfahrung besteht in der Zusammenarbeit zwischen lokalen und internationalen Partnern? Wie funktionieren diese Beziehungen? Kennen Fachleute die gängigen Instrumente bspw. im Bereich Reporting oder Wirkungsmessung? All dieses Wissen muss zum persönlichen Fachwissen noch ergänzt werden. Somit kann es gut sein, dass es wichtiger ist, wie stark jemand mit diesen genannten Bereichen in Kontakt gekommen ist, als welches Berufsprofil die Person mitbringt. Ebenso können regionale und thematische Erfahrungen von Vorteil sein, je nachdem auf welche Stellen man sich bewirbt.

 

Wissen Sie, welcher Prozentsatz aller Fachleute nach einem ersten PEZA-Einsatz im Arbeitsumfeld der EZA/IZA verbleibt?

Nein, leider haben wir hierzu keine Zahlen. Das würde uns selber auch interessieren. Es wäre eine interessante Aufgabe für Unité, eine Tracerstudy über die weitere berufliche Laufbahn nach dem Einsatz zu machen.

 

Gibt es in Ihren Augen spezielle Fähigkeiten, die sich PEZA-Fachleute in einem Einsatz aneignen (können) und die sich als vorteilhaft für die weitere persönliche Berufskarriere (auch ausserhalb der EZA/IZA) erweisen?

Ich denke, was geübt werden kann, ist der Umgang mit Unsicherheit und Unklarheit im Alltag. Oder aber die Zusammenarbeit mit anders denkenden/funktionierenden Menschen. Je nach Einsatz kann auch viel über institutionelle Beziehungen und Partnerschaften gelernt werden. Ich betone bewusst das Wort «kann»; denn ob ein Lernprozess Eintritt oder dieses Übungsfeld einen Lerngewinn mit sich bringt, hängt stark von der jeweiligen einsatzleistenden Person ab. Auch können Einsatzleistende sich die Fähigkeit aneignen, ihr fachliches Wissen in einem anderen Kontext anzuwenden. Wichtig ist einzusehen, dass niemand nach drei Jahren Einsatz automatisch «interkulturell kompetent» ist, was immer man darunter auch verstehen mag.

Beat Geiser

Senior Berater & Trainer bei CINFO

 

Beat Geiser, CINFO

Beat Geiser ist Berater und Trainer bei cinfo. Er informiert und berät Einsteiger/-innen, interessierte Berufsleute und erfahrene Fachleute zu Laufbahnthemen in der Internationalen Zusammenarbeit. Seit über 15 Jahren berät Beat Geiser zu Themen wie Karriereentwicklung, berufliche Übergänge, Lebensbalance und Bewerbungen.

 

Nach einer Ausbildung als Forstingenieur (ETH Zürich) arbeitete er im Feld für verschiedene Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit, insbesondere NGOs in Afrika und Südamerika. Zwischen 1999 und 2001 war Beat Geiser in Bolivien/Peru Koordinator für PEZA-Einsätze unterschiedlicher Organisationen, u. a. auch für INTERTEAM.

 

Dank seiner guten Branchenkenntnis und seiner langjährigen Erfahrung konnte Beat Geiser ein vertieftes Verständnis der Verbindung zwischen persönlichen Erwartungen, individuellen Umständen und der Arbeitsrealität in der Internationalen Zusammenarbeit entwickeln. Er ist zertifizierter Coach (Trigon).

cinfo

cinfo verbindet als wichtigstes Kompetenzzentrum in der Schweiz Menschen, die in der Internationalen Zusammenarbeit tätig sind oder es sein möchten mit personalsuchenden Organisationen aus den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Humanitäre Hilfe, Wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie Förderung von Frieden und Menschenrechten.

 

cinfo bietet Partnerorganisationen sowie Kundinnen und Kunden relevante Informationen und massgeschneiderte Dienstleistungen in Laufbahngestaltung, Personalsuche und -entwicklung, interkultureller Zusammenarbeit und Vernetzung. Dies dank spezialisiertem Fach- und Branchenwissen.

 

Für INTERTEAM ist cinfo ein wichtiger Ansprechspartner im Bereich der Rekrutierung von Schweizer Fachleuten.

 

Mehr Informationen unter www.cinfo.ch

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