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5 Management-Strategien, die im Einsatz wenig bringen

Im Gespräch verrät uns der Arbeitspsychologe und EZA-Spezialist Tony Zuber, welche besonderen Kompetenzen und Fähigkeiten Manager/-innen zwar für Stellen in der Schweiz mitbringen sollten, in einem Auslandeinsatz in der Entwicklungszusammenarbeit aber kaum etwas taugen.

 

Die gute «Schweizer Pünktlichkeit»

Herr und Frau Schweizer verbinden professionelle Arbeit seit jeher mit Pünktlichkeit, ganz besonders im Managementbereich. Zu blöde nur, wenn ich in meinem Einsatz in der Entwicklungszusammenarbeit ein Meeting organisiere, zur vereinbarten Zeit aber niemand erscheint. Auch zehn oder fünfzehn Minuten später ist noch keine Menschenseele zu sehen. Haben es alle vergessen? Oder habe ich mich im Tag oder der Zeit geirrt? Ein kurzer Blick in die Agenda oder ein Anruf bei Kollegen schafft schnell Gewissheit: Nein, ICH bin pünktlich (= richtig) und alle anderen sind unpünktlich (= falsch und uprofessionell).

Dass man mit dieser schweizerischen (oder vielleicht sogar westlichen) Einstellung bei Einsätzen im Globalen Süden nicht besonders weit kommt, wird einem sehr schnell klar – wohl oder übel. Denn ob in Lateinamerika oder Afrika, Verspätungen von einer bis zwei Stunden bei vereinbarten Meetings sind oftmals normal und kulturell absolut akzeptiert. Da hilft es, neben viel Flexibilität auch immer einen Plan B in der Tasche zu haben.

 

Es lebe der Fachjargon

Ich habe es immer wieder erlebt, dass Schweizer Fachleute mit Fachbegriffen aus der Management-Welt um sich werfen. Mit grosser Vorliebe werden in Meetings Anglizismen eingestreut, man will ja schliesslich der Partnerorganisation auf Augenhöhe begegnen und die Leute sollen merken, dass man sein Handwerk versteht.

Natürlich kann dies bei der lokalen Bevölkerung Eindruck schinden und man wird schnell mit «Doctor» gebauchpinselt, aber dieses stolze Gehabe schafft auch unweigerlich Distanz und eine gewisse Asymmetrie, wenn es um eine effektive Hilfe zur Selbsthilfe gehen soll.

 

Planung über allem

Unbestritten, gewisse Dinge müssen geplant und nach einem Aktivitätenplan umgesetzt werden. Ebenso soll der Fortschritt kontrolliert werden, dies beispielsweise mit der in der internationalen Zusammenarbeit gängingen Methode des Logframe-Ansatzes. Aber jede noch so minutiöse Planung ist unweigerlich zum Scheitern verurteilt, besteht kein hohes Mass an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Wer meint, er könne dreijährige Projekte in einem Gantt-Diagramm schön säuberlich darstellen und alles laufe dementsprechend nach Plan, erlebt sehr schnell Frustration; denn vielleicht findet nicht einmal das Kick-off-Meeting am geplanten Datum statt.

 

«Swiss Quality»

Nach wie vor sehe ich Qualitätsbewusstsein als schöne und wichtige Eigenschaft und ich arbeite gerne mit Leuten zusammen, die ebenfalls einen gewissen Qualitätsanspruch haben. Bei einem Projekt in Kolumbien «Apoyo a la Redprodepaz con el toque Suizo» war unser Qualitätsbewusstsein sogar Teil unserer Value Proposition. Man sollte lediglich aufpassen, dass man hierbei durch den hohen Anspruch nicht allzu streng mit seinen Partnern ins Gericht geht oder gar zu viel Druck ausübt. Denn wie üblich erzeugt Druck auch Gegendruck. Meine Empfehlung: Man lässt auch mal eine Fünf gerade stehen und ist mit dem Erreichten zufrieden – für Schweizer Perfektionisten definitiv etwas vom Schwierigsten. Die Empfehlung meiner lateinamerikanischen Partner: «Cógela suave Suizo» – Lieber Schweizer, nimm es etwas lockerer ;-).

 

Führen gemäss Dienstweg

Wer kennt sie nicht, die Führungs- und Organisationshandbücher, welche einem das Projektleben einfacher machen sollen. Wer es gewohnt ist, in klar definierten Führungsstrukturen zu arbeiten, gelangt im Einsatz schnell an seine Grenzen. Denn Rollen und Verantwortlichkeiten sind häufig nicht klar geregelt und persönliche Beziehungen und Charisma wichtiger als der «Dienstweg» oder Floskeln wie «Just follow the process». Selten habe ich im Einsatz strukturierte Prozesse wie jene in der Schweiz üblichen angetroffen; ausserdem interessieren diese auch die Wenigsten. Nichtsdestotrotz wird eine Unterstützung beim Aufbau von Strukturen in verschiedenen Arbeitsprozessen meistens sehr geschätzt, solange dies im gesunden Mass erfolgt; wir sind ja nicht bei der Schweizer Armee ;-)

Tony Zuber 

 

Der promovierte Arbeitspsychologe Tony Zuber hat einen Executive Master im Bereich der internationalen Entwicklungszusammenarbeit
(Development Policies and Practices) am Graduate Institute in Genf abgeschlossen. Er verfügt über Weiterbildungen in Changemanagement und Organisationsentwicklung und kann auf 10 Jahre Management-Erfahrung im Privatsektor zurückblicken, insbesondere im Bereich Human Resources und Management Development. Während 8 Jahren hat er Friedensentwicklungsprogramme in Kolumbien beraten und begleitet.