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UN-Kinderrechtsausschuss

«General Discussion Day» Des UN-Kinderrechtsausschusses

Am 28. September fand in Genf wieder der «General Discussion Day» des UN-Kinderrechtsausschusses statt. Um was ging es bei dieser Veranstaltung und warum ist sie für die Rechte der Kinder weltweit so wichtig? Im Gespräch mit dem INTERTEAM-Landesprogrammleiter aus Bolivien Peter Strack.

 

INTERTEAM: Peter, kannst du uns kurz erklären, um was es beim General Discussion Day des UN-Kinderrechtsausschusses genau ging?

 

Peter Strack: Ziel der alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltung ist es, das Verständnis einzelner Artikel der bald 29 Jahre alten UN-Kinderrechtskonvention zu vertiefen und ihre Umsetzung an neue Entwicklungen anzupassen.

 

INTERTEAM: Welches war dieses Jahr das Fokusthema?

 

Peter Strack: Thema in diesem Jahr waren die vielen Kinder, die sich selbst aktiv für die Verwirklichung ihrer Rechte einsetzen und wie die Erwachsenen sie dabei unterstützen können. Auch wenn das Recht auf Partizipation ein in der Konvention verankertes Kinderrecht ist, ist dessen Umsetzung keineswegs selbstverständlich. Politik, auch Politik für Kinder, gilt für viele immer noch als eine Aufgabe der Erwachsenen. Und in Konflikt- und Krisenregionen sind Kinder, die sich für die Rechte ihrer Altersgenossen einsetzen, häufig selbst gefährdet.

 

INTERTEAM: Wie muss man sich den Ablauf dieses Tages organisatorisch vorstellen, wenn so viele Kinder und Erwachsene teilnehmen?

 

Peter Strack: So viele Kinder konnten am General Discussion Day gar nicht teilnehmen. Der Tag wird ähnlich wie eine Fachkonferenz mit allgemeinen Vorträgen und speziellen Arbeitsgruppen organisiert, deren Vorschläge wieder in das Schlussplenum einflossen. Aber es sprachen nicht nur Vertretende der Vereinten Nationen, sondern eben auch Kinder und Jugendliche; diese wurden am Tag zuvor speziell vorbereitet und anschliessend deren Erfahrungen am Tag danach nochmals aufgearbeitet. In den Monaten zuvor hat es jedoch einen offenen Prozess mit Arbeitsgruppen von Kindern und Jugendlichen in vielen Ländern gegeben, bei denen auf altersgerechte Beteiligungsformen geachtet wurde. Hinzu kam eine Online-Befragung, deren Ergebnisse ebenfalls in die Tagung eingebracht wurden. Auch das nationale Kinderrechtskomitee in Bolivien hat mittels dieser Online-Befragung teilgenommen. Der ganze Prozess wurde von dem in Genf ansässigen internationalen NRO-Netzwerk Child Rights Connect organisiert.  

 

INTERTEAM: Auch für INTERTEAM sind Kinderrechte ein wichtiges Thema. Inwiefern spielen sie in Bolivien eine besondere Rolle?

 

Peter Strack: Schutz vor familiärer Gewalt und eine angemessene Betreuung der Opfer steht im Mittelpunkt des Bolivienprogramms von INTERTEAM. Und seit einigen Jahren sind Kinder und Jugendliche die Hauptzielgruppe. Die Kinderrechtskonvention ernst nehmen, heisst aber, Probleme ganzheitlich zu betrachten. Neben der juristischen Verfolgung von Gewalttaten und therapeutischen Angeboten ist es daher auch wichtig, wirtschaftliche Abhängigkeiten von Frauen und Kindern von ihren Gewalttätern zu überwinden. In Schulen und Gemeinden muss die Aufmerksamkeit erhöht werden; es ist wichtig, die Bereitschaft zu steigern, im konkreten Fall die vom Gesetz vorgesehenen Fach- und Beratungsstellen einzuschalten. Ausserdem sind Massnahmen zu ergreifen. Ein sehr erfolgreiches Mittel dabei ist, bei Kindern das Bewusstsein für ihre Rechte zu stärken und selber Vorschläge entwickeln zu lassen.

 

"Kindergruppen in Bolivien suchen das Gespräch mit den Eltern und staatlichen Stellen und decken Fälle von Gewalt auf."

 

So begleiten unsere Partnerorganisationen Infante und Wiñay Pacha in städtischen und ländlichen Gemeinden in Cochabamba Kindergruppen, die das Gespräch mit Eltern und staatlichen Stellen suchen; sie setzen sich für einen gewaltfreien Umgang ein, decken Fälle von Gewalt auf und schicken ihre Vertreterinnen und Vertreter in die in Bolivien gesetzlich vorgesehenen Kinderrechtskomitees. Das kantonale Kinderrechtskomitee von Cochabamba hat im letzten Jahr zum Beispiel einen Gesetzesvorschlag gegen Bullying in Schulen eingebracht. Oder im Departament Beni hat das regionale Komitee Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen überprüft, um Missstände aufzudecken.

 

INTERTEAM: In Bolivien existieren unzählige Kinderkomitees, wo Kinder den Kontakt zur Regierung suchen und für ihre Menschenrechte kämpfen. Wie werden diese durch INTERTEAM und unsere Fachleute unterstützt?

 

Peter Strack: In Cochabamba zum Beispiel gibt es inzwischen in gut der Hälfte der Munizipien solche Kinderkomitees. Und im Vizeministerium für Kinder und Jugendliche arbeitet eine lokale Fachperson von INTERTEAM in der Auswertung und Vermittlung von altersgerechten Beteiligungsmethoden. Fachperson Clara Lavayen war selbst vor einigen Jahren zunächst Abgeordnete, später Ausbilderin im damaligen Kinder- und Jugendparlament. Heute berät sie die nationale Regierung wie auch die regionalen Amtsstellen, um die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen effektiver zu gestalten.

 

Viele Kinder und Jugendliche der Komitees haben selbst noch wenig Erfahrung, wie sie eine bessere Beteiligung aktiv in politische Entscheidungsprozesse einbringen können. Sie wissen noch zu wenig, wie die Politik der Erwachsenen funktioniert, um darauf Einfluss zu nehmen. Hier gilt es, sie einerseits mehr zu unterstützen und andererseits die Erwachsenen dazuzubringen, ihre Skepsis zu überwinden; sie müssen lernen Kinder mit einzubeziehen, ohne sie zu manipulieren.

 

INTERTEAM: Vielen Dank Peter für diese Informationen.

Kinderteam in der Dorfschule von Ucuchi: Bei einem von den Kindern selbst gestalteten Würfelspiel werden Fragen nach dem guten Leben ohne Gewalt besprochen und beantwortet.

Gut leben heisst, in Harmonie zu leben mit sich selbst, mit den anderen, und mit der Natur: Ein Kinderteam in der Dorfschule von Ucuchi stellt Heilsäfte vor, die sie aus im Schulgarten selbst gezogenen Heilpflanzen hergestellt haben.

Gruppenfoto eines Kinderkomitees vor der Aufschrift: Beteiligung zu einem besseren Schutz.

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