+++EILMELDUNG +++ Nothilfe in La Paz nach Erdrutsch

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Erdrutsch in La Paz macht Hunderte obdachlos

Vier Bewohnerinnen und Bewohner werden noch vermisst, 180 Familien verloren ihr Zuhause – dies die aktuelle Bilanz eines verheerenden Erdrutsches in der rund 3‘600 Meter über Meer gelegenen bolivianischen Metropole La Paz.

 

Kampf um sein letztes Hab und Gut (Quelle: Pagina Siete).

Nothilfe ist eigentlich nicht Teil des Landesprogrammes von INTERTEAM. Und doch können INTERTEAM-Fachleute auch in Krisensituationen einen wichtigen, wertvollen Beitrag leisten. Die Psychopädagogin und Erziehungswissenschaftlerin Ivana Camacho wurde am Wochenende plötzlich von einem Grollen überrascht, als während ihrer Arbeit ganz in der Nähe des Büros im Bezirk Sopocachi ein Berghang abstürzte.

 

Unsichere Zone war Behören bekannt

Die Zone, in der sich früher der Müllplatz des bolivianischen Regierungssitzes befand, war bereits als unsicher bekannt. Tiefe Bodenpreise zogen über Jahre insbesondere arme Familien an, obwohl das Gelände zur Bebauung gar nicht zulässig wäre.

 

Seit dem Drama kümmert sich Fachperson Ivana Camacho aktiv um die Betreuung der Opfer in den Notunterkünften. Mit anderen Mitarbeitenden der Abteilung für Chancengleichheit der Stadtverwaltung legen sie den Fokus auf eine professionelle erste Hilfe und Betreuung der Kinder, welche mit ihren Eltern momentan in einer improvisierten Zeltstadt auf einem Sportfeld leben. Hilfreich hierbei ist insbesondere Ivanas Wissen zum Thema "emotionale Intelligenz" - ein Bereich, in dem sie im Rahmen ihres normalen Einsatzes zu Gewaltprävention arbeitet.

 

„Die Aktivitäten werden mit der Abteilung für soziale Entwicklung und der Bildungsbehörde der Stadt koordiniert“, berichtet Ivana Camacho. Laut der Expertin ist eine schnelle psychologische Unterstützung der betroffenen Kinder sehr wichtig, um den Anfangsschock zu überwinden. „Wir machen mit ihnen Entspannungsübungen, Atemübungen oder wir lassen die Kinder Mandalas ausmalen. Auch Übungen zur Wahrnehmung der eigenen Emotionen mit den Symbolen aus dem Methodenkoffer der Emotionalen Intelligenz – Trauer, Angst, Wut – sind wertvolle und wichtige erste Massnahmen“, meint Ivana mit betroffener Stimme.

 

Kinder zum Teil wütend über eigene Eltern

Dass bei den Kindern Trauer und Ängste festzustellen waren, ist nicht verwunderlich, aber Wut? Dazu Ivana: „Ja, auf die Eltern, die kaum Zeit für sie haben und sie im Zeltlager alleine zurücklassen, weil sie mit der Rettung von Hab und Gut beschäftigt sind. Deshalb gibt es auch Freizeitbeschäftigung, etwa ein Puppentheater, damit sich die Eltern nicht so viele Sorgen machen müssen und wissen, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind. Wir führen aber auch Aktionen zum Schutz vor und zur Vorbeugung von Gewalt durch. Wir haben einen festen Treffpunkt ausgemacht, wenn Kinder verloren gehen. Und mit dem Malen von Bildern fangen die Kinder wieder an, ihre Wünsche, Träume oder Zukunftsvorstellungen zum Ausdruck zu bringen.“ In Ivana Camachos Augen ist dies ein wichtiger Schritt, damit die Kinder beginnen, trotz des traumatischen Verlusts ihres Zuhauses, ihr Leben wieder selber in die Hand zu nehmen.

 

Interview: Peter Strack, Landesprogrammleiter Bolivien

 

Weitere Informationen/Spendenmöglichkeiten zum Einsatz von Fachperson Ivana Camacho >

 


Bilder und Videos von Augenzeugen

Bild der Verwüstung - Absturz des Bergabgangs nahe Sopocachi.

 

 

Blick auf die Notunterkünfte auf der Cancha Figaro (eines von drei Zeltlagern).

Malen als Theraphie und Schockbewältigung für die obdachlosen Kinder.

Ivana Camacho (ganz rechts mit gelber Weste) bei der psychologischen Betreuung obdachloser Kinder.

 

Malen als Theraphie und Schockbewältigung für die obdachlosen Kinder.