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INTERTEAM Student 2016

remco egolf

Steckbrief zu Remco Egolf

Aktueller Grad im Studium

4. Semester an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit;
Studiengang Soziokulturelle Animation

 

Projekt-Einsatzdauer

14. August – 13. November 2016

 

Einsatzland

Mwanza, Tansania

 

Betreuung vor Ort durch INTERTEAM Fachperson

Yvonne Kaufmann, Sozialarbeiterin FH

 

Arbeitsgebiet

  • Kennenlernen der Organisation Caretakers of the Environment Tanzania (COET) sowie deren Arbeitsfelder
  • Mitarbeit in den diversen Arbeitsfeldern
  • Nach Möglichkeiten: Organisieren eines kleineren Projektes

 

Erlebnisbericht 2

Ein Blick zurück auf die vergangenen Wochen

Schon ist das Ende meines Praktikums bei Caretakers of the Environment of Tanzania (COET) als INTERTEAM Student in Sicht. Die Zeit verfliegt rasend schnell, wenn man immer tiefer in eine Kultur eintauchen und sich mit den Herausforderungen der Entwicklungszusammenarbeit auseinandersetzen kann.

 

Schulische Anforderungen

Mein Praktikum bei INTERTEAM wurde nur durch mein Studium an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit möglich. Eine Voraussetzung um ein solches Praktikum absolvieren zu können, war der Besuch des Moduls NGOs und Entwicklungspolitik. Dabei erhielt ich einen kompakten Überblick der verschiedenen Themen, sowie des politischen Diskurses über Sinn und Unsinn der Entwicklungszusammenarbeit. Der Bereich interessiert mich seit langem, nach dem Modul war mir jedoch klar, dass ich selber Erfahrungen vor Ort sammeln will.

Eine Auflage der Hochschule für diesen Praxiseinsatz war das Erarbeiten von verschiedenen Lernzielen. Mit dem detaillierten Einblick in die Tätigkeiten von COET konnte ich im ersten Erlebnisbericht eines der Ziele schon abhaken. Wobei ich während der restlichen Zeit mein Wissen vertiefen sowie ein besseres Verständnis für die Rolle von INTERTEAM entwickeln konnte.

Weiter wollte ich herausfinden, ob ich mir zukünftige Einsätze als Entwicklungsarbeiter vorstellen kann. Die Frage ist schwierig zu beantworten. Ich konnte viele positive, aber auch negative Erfahrungen sammeln. Somit erhielt ich einen realistischen Einblick, was es heisst, sich für diesen Berufszweig zu entscheiden.

 

Einblicke in die Herausforderungen der Entwicklungszusammenarbeit

Man muss sich der Tatsache bewusst sein, dass eine einzelne Person mit geringen Sprach- und Kulturkenntnissen die langjährig bestehenden Probleme einer Gesellschaft nicht innerhalb einer kurzen Zeitspanne lösen kann. Das Ziel muss sein, auf die Mitarbeitenden der Partnerorganisation zu hören und ihnen die gewünschte Hilfe zukommen zu lassen. Sie sind die Experten des lokalen Lebens und wissen am besten, wie das soziale Gefüge funktioniert. Sie müssen somit auch die Initiative ergreifen, um die Probleme zu lösen. Durch das Implementieren von fremden Strategien und das Vorgeben von Lösungen können Probleme kurzfristig angegangen werden, jedoch versanden diese Ansätze, sobald der Initiant/ die Initiantin seine/ ihre Arbeit beendet hat und das lokale Team nicht von deren Wichtigkeit überzeugen konnte.

In der personellen Entwicklungszusammenarbeit kann man nicht die gesamte Welt verändern. Es sind somit die kleinen Fortschritte, die gewürdigt werden müssen und mit denen man sich zufrieden geben muss. Dies kann eine Mitarbeiterin sein, die nach Hilfestellung fragt, dass der Ansatz, den man vermitteln wollte, verstanden wurde oder dass ein Samen zu spriessen beginnt und ein Umdenken anregt.

Ich sehe bei mir das Potential, um mich diesen Herausforderungen zu stellen. Mich wird es auch in Zukunft in fremde Länder ziehen. Somit tendiere ich momentan dazu, die Frage ob ich meine Zukunft in der Entwicklungszusammenarbeit sehe mit ja zu beantworten. Nach meinem Studium muss ich dafür erst einmal Berufserfahrung sammeln, mich spezialisieren und mir darüber klarwerden, wo und wie meine Hilfe sinnvoll sein kann.

 

Learning by doing

Ein weiteres Lernziel war die Durchführung eines kleinen Projekts im Boys Center. Die Jungen waren noch nicht lange im Center und somit konnten wir gemeinsam über ihre neue, gewaltfreie Umgebung sprechen. Das Ziel war es, ein Bewusstsein für diese Umgebung zu schaffen und aufzuzeigen, dass es gewaltfeie Wege gibt, um Konflikte zu lösen.

Die gewaltfreie Umgebung war im Zentrum gegeben. Den Jungen fiel es jedoch schwer damit umzugehen. Sie sind an Gewalt als Mittel der Bestrafung gewöhnt und akzeptieren dies. Das Fehlen von Gewalt wurde somit zu einem Problem für die Jungen. Mein Projekt begann also schon mit einer falschen Annahme: Für mich war nicht klar, dass ein Grossteil der Bevölkerung glaubt, nur durch körperliche Bestrafung lerne man etwas. Während der Umsetzung kam es zu weiteren kulturellen Missverständnissen. Sei dies die unterschiedliche Interpretation von Ausdrücken wie Respekt, einer anderen Arbeitseinstellung oder der Art sich mitzuteilen. Ich konnte mich nach einigen frustrierenden Momenten damit abfinden und lernte Schritt für Schritt mehr über das lokale Leben und Denken.

Ein Projekt über ein sensibles jedoch um so wichtigeres Thema wie Gewalt durchzuführen war eine grosse Herausforderung. Meine Erwartungen und die mir selbst gesteckten Ziele waren zu hoch angesetzt. Die Themen waren zu hochstehend für die Jungen.

Trotz aller Hindernisse gelang es uns zum Schluss einen für alle zufriedenstellenden Abschluss für das Projekt zu finden. An einem Tag drehten wir voller Stolz einen Film über das Gelernte der vergangenen Wochen. Die Jungen zeichneten, worüber wir geredet hatten und sprachen darüber im Film. Aussagen wie: „Behandle andere wie du behandelt werden willst“ oder „beating is not teaching (schlagen ist nicht lehren)“ zeigen, dass bei den Jungen einiges hängen geblieben ist und die Arbeit gefruchtet hat.

 

Was der Einsatz für meine Zukunft bedeutet

Die Erfahrungen die ich bei COET machen durfte, werden meine Zukunft massgebend mitbestimmen. Ich konnte mir ein eigenes Bild von Entwicklungszusammenarbeit machen. Ich weiss, was realistische und erreichbare Ziele sind, welche Schwierigkeiten Einsatzleistende erwarten können aber auch welche Höhepunkte einen solchen Einsatz begleiten können.

Hiermit möchte ich mich bei allen Leuten bedanken, die ich während meines Praktikums kennenlernen durfte. Die Offenheit und die unkomplizierte Art der Mitarbeitenden haben massgebend dazu beigetragen, dass ich mit einem Berg an neuem Wissen sowie einem äusserst positiven Gefühl abreisen darf. Ein spezieller Dank gilt Yvonne Kaufmann, die mich während meines Praktikums auf alle möglichen Arten unterstützt und gefördert hat. Die vielen Eindrücke und das neue Wissen werden in den kommenden Monaten vertieft, da ich während zwei weiterer Monate, eine ausgiebige und verdiente Reise durch das faszinierende Land unternehmen werde.

 

Geburtstag feiern von einem Jungen im Boys Center

 

Zeichnung eines Jungen über das Gelernte im Projekt

 

Die vier Jungs aus dem Boys Center, die mir besonders ans Herz gewachsen sind.

 

Abschlussfoto nach einer erfolgreichen Filmvorführung.

 

Erlebnisbericht 1

Habari – Nzuri, Nachrichten – Gute

Seit mehr als einem Monat lebe ich jetzt in Mwanza und fühle mich hier richtig wohl. Die Kultur liegt mir, die ruhige gemächliche Art der Menschen sowie ihre Lebensfreude sind ansteckend.

Als meine Reise nach Tansania losging, wusste ich nicht, was auf mich zukommt. Meine Erwartungen waren dennoch hoch, da ich viele positive Berichte über die Arbeit der EntwicklungsarbeiterInnen gelesen habe. Für mich ist INTERTEAM Students eine optimale Gelegenheit, einen detaillierten Einblick in die personelle Entwicklungszusammenarbeit zu erhalten und mein erlerntes Wissen als soziokultureller Animator in einer mir unbekannten Kultur auszutesten.

Trotz meiner hohen Erwartungen, wurde ich nicht enttäuscht, im Gegenteil die Erwartungen konnten noch übertroffen werden. Ich bin sehr zufrieden mit der Organisation COET (Caretakers of the Enviroment Tanzania) und den MitarbeiterInnen, die mit dem lösungsorientierten Ansatz in Tansania Pionierarbeit leisten.

 

Nachhaltige und zukunftorientierte Lösungen bei COET

COET’s Ziel ist es, mit Strassenkindern zusammen langzeitige, zukunftsorientierte Lösungen zu finden. Die Familien werden in diesen Prozess - wenn immer möglich - involviert.

Aber der Reihe nach. In Mwanza, der zweitgrössten Stadt in Tansania, leben nach letzten Zählungen fast 1‘500 Kinder auf der Strasse. Dabei nimmt ein Grossteil der Bevölkerung sie als Problem wahr und denkt nicht über ihre Bewegründe nach. Die Kinder ziehen das Leben auf der Strasse mit all den Gefahren ihrem bisherigen Zuhause vor. Dabei sind neue Eheschliessungen der Eltern und die fehlende Akzeptanz des Stiefelternteils ein häufiger Grund für die Flucht auf die Strasse. Auch häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch sind Ursachen. Oder wenn schlichtweg nicht genügend Einkommen vorhanden ist, um alle Kinder zu ernähren.

COET setzt hier an. Sie will den Familien und der Gesellschaft aufzeigen, dass die Kinder meistens keine andere Wahl hatten. So soll eine gesellschaftliche Akzeptanz entstehen und den Kindern mehr Rechte zugestanden werden.

 

Beziehungspflege ist das A und O

COET baut durch regelmässige Touren der Streetworker Beziehungen zu den Kindern auf und lädt sie ein, an den Aktivitäten im Day Centre teilzunehmen. Dort erhalten die Kinder zwei Mahlzeiten, können sich waschen und haben während kreativen Aktivitäten Zeit etwas abzuschalten. Während den Aktivitäten wird weiter Beziehungsarbeit geleistet. Dabei versuchen die Socialworker (Sozialarbeiter) herauszufinden, wo ihre Familien leben, um erste Kontakte zu knüpfen. Besteht die Möglichkeit mit der Familie zu arbeiten, kann das Kind ins Girls- oder Boys Centre. Dort leben sie in einer sicheren Umgebung mit festen Strukturen. Sie erhalten Unterricht, damit sie bei einer erfolgreichen Zusammenführung mit der Familie in der Schule Anschluss finden. Auch die Lifeskills (Lebensfähigkeiten) sind wichtig. Die Kinder erhalten interaktiven Unterricht bezüglich Hygiene und Gesundheit. Weiter werden die Mädchen in Selfdefense (Selbstverteidigung) unterwiesen, um sich vor Übergriffen zu schützen. Die Socialworker im Girls- und Boys Centre gehen wöchentlich auf Familienbesuche um sicherzustellen, dass das Kind wieder integriert wird und nicht direkt wieder auf die Strasse zurückkehrt. Dabei wird zu Beginn in der „Operation Friendship“ ebenfalls an der Beziehung gearbeitet und Vertrauen aufgebaut. Dabei zeigen die Socialworker Interesse an der Situation der Familie und geben positives Feedback. Haben das Kind sowie die Familie drei verschiedene Entwicklungsstadien durchlaufen und zeigen ein stabiles Verhalten, kann das Kind zurück in die Familie. Dabei ist die Gefahr eines erneuten Weglaufens sehr gering, da beide Seiten Fortschritte gemacht haben und sich bei den Besuchen aussprechen und die Beziehung festigen konnten.

 

Das Projekt im Boys Centre

Während meiner Zeit hier konnte ich in allen Abteilungen von COET mindestens einmal mitlaufen und an den Aktivitäten teilnehmen. Für die nächsten zwei Monate werde ich mich auf das vor kurzem eröffnete Boys Centre konzentrieren und mit den Jungs ein kleines Projekt durchführen. Dabei werde ich versuchen, meine soziokulturellen Fähigkeiten anzuwenden und den Jungen die Freiheit geben, mitzubestimmen was wir gemeinsam umsetzen. Das Thema wird ihre neue gewaltfreie Umgebung sein. Tansania ist eines von neun verbleibenden Ländern auf der Welt, welches noch kein Gesetz hat, das körperliche Bestrafung verbietet. Somit kann das teilweise aggressive Verhalten der Kinder erklärt werden. Sie kennen schlichtweg keine gewaltfreien Wege sich verständlich zu machen. Bei einem Besuch einer Privatschule mit Nulltoleranz gegenüber Gewalt wurde mir erklärt, dass auch die Lehrer damit überfordert sind und neue Weg für einen gewaltfreien Umgang im kulturellen Kontext ausprobiert werden müssen.

 

Schritte in eine bessere Zukunft

Es wird mir immer klarer, dass Tansania mit grundlegenden Problemen zu kämpfen hat. Dabei ist es wichtig, den Menschen nicht vorzugeben, was zu tun ist, sondern nachzufragen was verändert werden muss. COET ist ein gutes Beispiel um zu sehen, wie engagiert die MitarbeiterInnen ihrer Arbeit nachgehen und sich für sozial schwächer Gestellte einsetzen. Ich kann somit sagen, hier bei COET werden kleine, aber umso wichtigere Schritte für eine bessere Zukunft von Tansania gemacht.

 

 

Kreative Aktivitäten im Day Centre. Den Jungen wurde eine Geschichte über einen Geist vorgelesen und nachher konnten sie selber einen basteln.

 

Meine Kamera macht die Runde. Die Jungs des Boys Centre haben eine riesen Freude, sich selbst auf den Bildern zu sehen und das Posieren gehört selbstverständlich dazu.

 

Gezeichnet von einem Jungen im Day Centre: Die nächtliche Realität, vor der sich die Strassenkinder in Acht nehmen müssen.

 

Ausblick vom Stadtteil Kirumba auf Mwanza. Die Steine sind überall in Mwanza auffindbar und gehören zum Stadtbild.