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INTERTEAM Student 2018

Karen Graf

Steckbrief zu Karen Graf

 

Aktueller Grad im Studium 

Hochschule Luzern für Soziale Arbeit, 6. Semester

 

Projekt-Einsatzdauer

24. September - 25. November 2018

 

Einsatzland

Cochabamba, Bolivien

 

Betreuung vor Ort durch INTERTEAM Fachperson

Peter Strack, Landesprogrammleiter INTERTEAM

 

Arbeitsgebiet

Unterstützung der INTERTEAM-Partnerorganisation Infante im Angebot„Atención a la Mujer”in welchem erwachsene Frauen, die innerfamiliäre Gewalt erlitten haben und jugendliche Frauen die Opfer und Überlebende von sexueller Gewalt geworden sind, unterstützt werden anhand von psychosozialen Angeboten und beruflichem Support:

 

  • Meine Aufgaben werden in der ersten Phase sein: Begleitung der Psychologinnen bei der Implementierung verschiedener alternativer Therapieformen (Soziodrama, Körperarbeit, Schokoladentherapie, künstlerische Aktivitäten, ...).
  • In der zweiten Phase: Eigenständige Durchführung einzelner therapeutischer Elemente, die keine psychologische Fachausbildung erfordern.
  • In der dritten Phase: Erfahrungsaustausch über in der Schweiz übliche Formen der Familiensozialarbeit mit dem Personal von Infante.

 

Erlebnisbericht 2: Adiós Cochabamba

 

Bereits sind die neun Wochen meines Field Practice Einsatzes vorbei und ich bin wieder zurück in der Schweiz. An meinem letzten Samstag bei Infante, fand die Abschlussveranstaltung von allen Gruppen der Kinder und Jugendlichen statt, welche die letzten 2 ½ Monate die therapeutischen Gruppenelemente bei uns besuchten. Für mich schloss sich dadurch der Kreis auf eine schöne Art und Weise. Durch diese intensiven und wöchentlichen Begegnungen sind mir die Gruppenteilnehmenden sehr ans Herzen gewachsen.

 

Praktische Unterstützung einer jungen Frau

Die letzten Wochen war ich zusätzlich mit der Begleitung einer jungen 19-jährigen Frau beschäftigt, mit der an ihren kurzfristigen Zukunftsperspektiven gearbeitet wurde. Sie besuchte vor drei Jahren die therapeutischen Gruppenelemente im Casa de la Mujer. Seither ist Infante, respektive Gaby und Maria, für sie eine relevante Anlaufstelle.

 

Die ersten Begegnungen fanden im Rahmen der erfolgreichen Einforderung (direkt vor Ort) der seit Monaten ausstehenden Löhne von zwei Arbeitgebern statt. Ihre anspruchsvolle Familiensituation hindert sie seit einiger Zeit an der Planung und Herangehensweise ihrer individuellen Ziele. Mithilfe eines systemisch geführten Gespräches konnte ich mir ein Bild über ihre aktuelle Situation machen. Aus ihren Angaben leitete ich eine einfache Lebensraum-Darstellung in Form eines Eco-Grammes ab und erstellte eine Ressourcenkarte. Beides sind einfache sozialarbeiterische Instrumente, welche mir am passendsten für die aktuelle Unterstützung erschienen.

 

Die praktische Unterstützung in der Arbeitssuche übernahm ich. Der ungeklärten und belastenden Familiensituation nahm sich Gaby, die Therapeutin von Infante, an. Gemeinsam überarbeiteten die junge Frau und ich ihr «Hoja de vida» (Lebenslauf). Wir simulierten Bewerbungsgespräche in Form von Rollenspielen und tauschten uns über die wichtigsten Elemente bei der Stellensuche aus. Dadurch, dass ich in meinen früheren Anstellungen neue Mitarbeitende rekrutierte, konnte ich diese Erfahrungen einfliessen lassen. Ihr Part war es, mich mit den Arbeitsbedingungen und gängigen Normen vor Ort vertraut zu machen.

 

Eine Herausforderung war die Planung dieser Termine. Da sie stark in ihrem zu Hause für den Unterhalt der Familie eingebunden ist, war es für sie nicht einfach, sich diese Zeit zu organisieren. Sie kam auch oft mit viel Verspätung – aber sie kam immer. Die gemeinsame Zeit wurde dadurch sehr knapp. Dennoch konnten wir uns dem Wichtigsten widmen. Sie erreichte mehr Sicherheit im Auftreten und meldete zurück, dass sie sich gestärkt durch das neue Wissen fühle. Wir konnten eine Übergabe zu einer anderen Institution für sie organisieren. Sie darf jetzt auf die Unterstützung von Mitarbeitenden aus dem Projekt «Tia» für ihre berufliche Zukunft zählen. Ihre neue Begleitperson kann nun auf die erarbeiteten Informationen zugreifen und darauf aufbauen.

 

«Muchas gracias»

Ich durfte dank den Mitarbeitenden von INTERTEAM in Cochabamba eine unvergessliche Zeit erleben. Mein grösster Dank gilt jedoch Gaby und Maria, welche mir vor Ort die Chance gaben, fachlich, beruflich und persönlich zu wachsen, indem sie mir ihr Vertrauen in meine Arbeitsweise schenkten. Für mich wurde dadurch der Einsatz zu einer unbezahlbaren Erfahrung. Ihre wertschätzende und professionelle Arbeitsweise, verbunden mit einem immensen Engagement in dem anspruchsvollen Kontext, empfinde ich als eine Bereicherung für Bolivien.

Gruppenspiel bei der Abschlussveranstaltung

 

Eine Teilnehmerin der Gruppentherapie mit selbstkreierter Maske aus Gipsstreifen. Die Maske wird danach angemalt und schlussendlich spielen die jungen Frauen ein Theater mit diesen Masken.

 

Ich mit einer Maske, welche zwei junge Frauen erstellt haben.

 

Frauenteam von Infante im Casa de las mujeres.


 

Erlebnisbericht 1: «Bienvenido» in Cochabamba

Seit sieben Wochen lebe ich nun in dieser lebendigen und andersartigen Stadt. Dies im Rahmen eines 9-wöchigen Field Practice Einsatzes von der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit aus.  Vorgängig bin ich mit meinem Mann drei Wochen in Bolivien herumgereist und genoss die Vielfalt dieses Landes in vollen Zügen. Ich wohne in der charmanten Wohnung von Jasmine Burkhard, seit 2015 INTERTEAM-Fachperson in Cochabamba.

 

Sie empfing uns herzlich am Flughafen und von diesem Moment an erhielt ich von ihr eine immense Unterstützung und Einführung in das facettenreiche Leben Boliviens. Für mich ist diese Begegnung und ihre Oase ein wahrlicher Glückstreffer. Ebenso begegnete ich mehreren Personen von INTERTEAM, welche mich sehr herzlich in ihre Kreise aufnahmen. Der Austausch über die Thematik von Frauen, Kinder und jugendlichen Gewaltopfern sowie über die bolivianischen Normen und Arbeitsweisen, erlebte ich als unterstützend.

 

Mein Einsatzort: Infante – Promoción integral de la mujer y la infancia

Seit Mitte September arbeite ich bei Infante, eine gemeinnützige Einrichtung mit 30-jähriger Erfahrung im Bereich der sozialen Entwicklung und Stärkung der Menschenrechte. Anfänglich arbeitete ich mehrheitlich im Hauptbüro bei Jhenny. Eine Aufgabe war die wöchentlichen Beschäftigungstherapien im Frauenhaus Casa Esperanza um Schokolanden-Confiserien herzustellen. Das Ziel ist, dass die Frauen durch diese Tätigkeit psychische und körperliche (Gewalt-) Erlebnisse ausgleichen können; ein weiteres Ziel ist das Aneignen von Wissen über die Produkteherstellung, damit sie einen Anteil an ihr Familieneinkommen beitragen können.

 

Die Stimmung bei diesen Workshops war anfänglich meistens etwas zurückhaltend. Im Laufe des Morgens aber wurde vermehrt gelacht und ausgiebig von der Schokolade gekostet. Die Resultate erfüllten die Teilnehmerinnen mit Stolz und Freude. Diese Aufgabe war ein sehr guter Einstieg, denn anfänglich war ich sprachlich sehr gefordert, teilweise auch komplett überfordert. In dieser Tätigkeit wendete ich bewusst die nonverbalen Kommunikationskanäle an, was ich als eine sehr spannende Erfahrung empfand.

 

Zusätzlich erhielt ich spannende Einblicke in die Institution während dem Einsatz an der «Feria internacional del libro», einer Messe, an der wir die Angebote der Institution vorstellten; ebenso an einem Workshop für Repräsentantinnen von Frauenorganisationen aus diversen Distrikten, in dem wir ihnen die Herstellung der Schokoladen-Confiserien zeigten.

 

Eindrücklich erlebte ich die Teilnahme an einem anderen Workshop welcher von einer staatlichen Plattform organisiert wurde zum Thema der persönlichen und ökonomischen Stärkung der Frauen von Cochabamba. Die Art und Weise, wie die Anwesenden ihre Männer sehen, brachte mir ihre Lebensrealität näher.

 

Meine Aufgaben im "Casa de las Mujeres" (Haus der Frauen)

Seit Mitte Oktober bin ich fast vollumfänglich im Casa de las Mujeres tätig. Die Angebote unterstützen Frauen und Jugendliche, die Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt sind. Die Programme konzentrieren sich auf die spezialisierte therapeutische Versorgung, die Durchführung alternativer Gruppentherapien, individuelle psychologische Therapie, Familien- und Paartherapie und psychologische Beratung.

 

Das Gebäude wird von einem einladenden Garten umrahmt, welcher viel Raum zum Spielen und Arbeiten beinhaltet. Meine Hauptaufgabe war anfänglich die Unterstützung von Gruppentherapien mit Kindern und Jugendlichen zum Thema «Prevención de violencia sexual» und «Proyecta de vida». Dies in Form von Spielübungen, Theaterelementen, Tanz- und Bewegungstherapien und kreativen Elementen.

 

Von Gaby, der Therapeutin, konnte ich dabei wahnsinnig viel lernen. Ihre professionelle Arbeits- und Vorgehensweise beeindrucken mich. Diese Arbeit ist ein neues Feld für mich. Die Teilnehmenden kommen aus verschiedenen Heimen und Auffangzentren. Zwischenzeitlich darf ich die thematischen Programme (bspw. Kenntnisse über den eigenen Körper, Emotionen und Grenzen im persönlichen Raum, Regeln im physischen Kontakt usw.) selber erstellen und durchführen. Dieses Vertrauen schätze ich sehr.

 

Teilnahme an sozialen Untersuchungen

Gleichzeitig widmete ich mich einer sozialen Untersuchung, wobei es festzustellen galt, ob eine Familie einen Schulrabatt für die Montessori-Schule von Infante erhält. Dazu erstellte ich einen Fragebogen, um die sozialen und finanziellen Verhältnisse der Familie zu eruieren. Eine Herausforderung war die Befragung der Familie in ihrem Zuhause, welche ich in Begleitung von Maria, der Koordinatorin des Programmes, durchführen durfte. Anhand der Informationen schrieb ich einen Bericht, welcher dem Komitee der Schule nun als Entscheidungsgrundlage vorliegt. Gefreut hat mich, dass dieser Fragebogen künftig von der Montessorischule auch für weitere Abklärungen verwendet wird.

 

Ich erlebe die Arbeit als sehr wertschätzend, professionell, intensiv und vielseitig. Die Zeit verfliegt so schnell, irgendwie «dünkt» es mich, zu schnell. Das nächste Mal werde ich über meine diagnostische Abklärung und methodische Vorgehensweise für die Begleitung einer jungen Frau berichten, welche diese Woche ihr Anfang fand. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit y hasta luego!

 

Gruppentherapie - Erstellung von einem Selbstportrait

 

Spielerische Übung zum Thema Gruppe & Vertrauen

 

Gruppentherapie im Frauenhaus Casa Esperanza: Leitungsteam und die feinen Ergebnisse;-)