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INTERTEAM Student 2016

Besa beqiraj

Steckbrief zu Besa Beqiraj

Aktueller Grad im Studium

4. Semester an der PH Luzern; Studiengang Primarstufe

 

Projekt-Einsatzdauer

04. Juli – 15. August 2016

 

Einsatzland

Namibia

 

Betreuung vor Ort durch INTERTEAM Fachperson

Heinz Schmid, Sekundarlehrer

 

Arbeitsgebiet

  • Austausch mit Lehrpersonen
  • Organisation von Workshops im Fach Englisch

 

Erlebnisbericht 2

Schulunterricht und Kultur

Das Praktikum ist nun zu Ende. Die Zeit ist wie im Flug vergangen und der Rucksack ist prall gefüllt mit Erlebnissen. Am Anfang sieht man die Sicht der Lehrpersonen und versucht zu verstehen, warum sie den Frontalunterricht immer noch zu 100 % praktizieren. Man lernt in der Schweiz, dass das nicht effektiv ist und man das ändern müsste. Warum der Unterricht in Rundu nach dem Frontalprinzip geführt wird, sieht man schon in der ersten observierten Unterrichtsstunde. Man steht in einer Klasse mit bis zu 65 Schülerinnen und Schülern und denkt sich, ich kann auch andere Lehrformen anwenden. Ich zeige den Lehrpersonen schon noch, wie man das auch anders machen kann. Man versucht Gruppenarbeiten einzuführen. Eine Klasse mit 55 Schülern in 5er Gruppen aufteilen beansprucht schon einmal 10 Minuten. Dann muss man noch 11 Arbeitsplätze finden für die 11 Gruppen. Die Gruppen arbeiten draussen im Sand, wo sie keine Unterlagen haben, da keine Materialien vorhanden sind. Wie es bei allen Kindern so läuft, schweift man bei Gruppenarbeiten leicht ab, wenn die Lehrperson die Gruppen nicht begleitet. Bei 11 Gruppen weiss man schnell nicht mehr wo man war und wo nicht. Ausserdem legt man eine stolze Distanz hin, wenn man von einer Gruppe zur nächsten läuft. Man versteht schnell, warum die Lehrpersonen beim Frontalunterricht bleiben. Andererseits kennen viele der Lehrpersonen die Vorteile des Schülerzentrierten Unterrichts. Fehlende Materialien, Spiele usw. könnten durch gewisse Bemühungen kompensiert werden, sodass der Unterricht wäre vielseitiger würde. Das ist während meines Praktikums jedoch nicht geschehen. Die Lehrpersonen scheinen nicht immer sehr engagiert und begründen dies mit den Umständen die in der Schule herrschen. Zu Beginn schien dies eine Ausrede zu sein, die frustrierend war oder gar wütend machte. Die Gespräche mit unserem Betreuer Heinz Schmid haben mir sehr geholfen ihre Handlungen zu verstehen. Er hat uns aufgezeigt, dass man ihre Kultur mit ihren Handlungen verknüpfen muss und so versteht, warum die Lehrpersonen oder die Menschen allgemein so handeln, wie sie handeln.

 

Fussabdrücke

Nach einer gewissen Zeit merkt man, dass 5 Wochen eine viel zu kurze Zeit sind, um eine Fussspur zu hinterlassen. Ich habe trotzdem bis zum Schluss versucht mit den Lehrpersonen zu interagieren. Ich habe ihnen viele Spiele und alternative Arten des Unterrichtens vorgezeigt. Die Diskussionen über körperliche Bestrafungen und Lehrer-Kind-Beziehung zogen sich noch bis zum letzten Tag hin. Die Schülerinnen und Schüler freuten sich, wenn sie eine Unterrichtslektion von mir erhielten. Für sie war das etwas völlig Neues und sie fühlten sich ernst genommen und so entstanden viele ernste sowie auch lustige Gespräche. Ich lernte gewisse Entscheidungen zu verstehen, wie beispielsweise dass sie nicht zum Unterricht erschienen oder die Teenageschwangerschaften. So erhielt ich noch tiefere Einblicke in ihre Kultur.

 

Lessons learnt

Die Angst vor dem Unterrichten wurde mir nach diesem Praktikum vollkommen genommen. Ich habe das Gefühl, unter den Umständen in denen ich unterrichtet habe, bin ich in der Zukunft auf alles vorbereitet und mich kann nichts mehr aus der Ruhe bringen. Ausserdem schätze ich unser Schulsystem und sehe, wie gesegnet wir eigentlich sind.

 

 

 

 

Erlebnisbericht 1

Moro

Julia und ich sind nun seit 2 Wochen in Rundu. Die Zeit fliegt nur so an uns vorbei und an der Landschaft kann man sich einfach nicht sattsehen. Den ersten Stopp in Windhoek in einem wunderschönen Guesthouse schlossen wir mit einer Stadtour ab. Am nächsten Tag ging es schon los: Mit dem Bus reisten wir 800 Kilometer nach Rundu. Wir wurden von Heinz und Anni Schmid abgeholt und seither eng betreut. Wir haben bereits viel gesehen, sind in Restaurants traditionell essen gegangen, haben die Stadt Rundu zu Fuss und mit dem Auto erkundet, haben das Living Museum besucht und Schulen wurden uns vorgestellt. Wir fühlen uns sehr wohl und sind Anni und Heinz sehr dankbar für ihre „Gastfreundschaft“.

 

Überraschungen an Tag eins

Der erste Tag in Mupini hielt für mich einige Überraschungen bereit. Ich wurde sehr herzlich willkommen geheissen und wurde im Lehrerzimmer und vor der ganzen Schule vorgestellt. Mir wurden drei Vertrauenslehrpersonen zugeteilt und so konnte ich mir meinen Stundenplan selbst erstellen. Die erste Überraschung erwartete mich im Schulzimmer, als mich 65 grosse Augenpaare anschauten. Ich war schockiert, fasziniert und neugierig, wie der Unterricht in einem so kleinen Schulzimmer stattfinden konnte. Die Physikstunde wurde frontal gehalten, ohne jegliche Materialien die zur Unterstützung gedient hätten. Mein Ehrgeiz war geweckt und ich war sehr neugierig, wie der Unterricht in anderen Fächer gehalten werden würde. Von fehlenden Stühlen und Pulten über selbstgebastelte Sitze und Bleistifte, die von 3 Schülern geteilt wurden, wurde ich in den ersten drei Lektionen nur so überhäuft. In der vierten Stunde lief ich an der Klasse 5a vorbei und merkte, dass keine Lehrperson im Schulzimmer präsent war. Ich fragte sie, wo der Lehrer sei und sie meinten: „There is no teacher miss, can you teach us?“ Da wir sehr gut auf solche Situationen vorbeireitet worden waren, hatte ich ein paar Spiele im Ärmel, war aber sehr aufgeregt. Die erste Barriere war die Sprache. Die Schülerinnen und Schüler (SuS) haben einen anderen Akzent und verstehen nicht so viel, sprechen jedoch noch weniger. Sie sind daran gewöhnt, ruhig zu sein und nur im Plenum mit „yes“ oder „no“ zu antworten. Ich habe die Schüler ab dem ersten Moment ins Herz geschlossen und bei der Klasse 5a absolviere ich nun immer die vierte und fünfte Stunde. Die Lehrperson wurde pensioniert und wenn keine Lehrperson präsent ist, sitzt die Klasse alleine im Schulzimmer, was hier leider sehr üblich ist. Es hat sich im Schulhaus sehr schnell rumgesprochen, dass ich fehlende Lehrpersonen ersetze und nun spüren mich die Schülerinnen und Schüler überall auf und fragen ob ich sie unterrichten kann, wenn keine Lehrperson anwesend ist. Die SuS lieben das spielerische Lernen, die grösste und einzige Schwierigkeit ist und bleibt, dass sie in Gruppen arbeiten können. Eine Lektion hat sich speziell in mein Gedächtnis eingebrannt. Die SuS erhielten den Auftrag zu zweit einen Text zu lesen. Nach ein paar Sekunden haben 55 Schüler im Chor gelesen, ich habe nur noch mein Handy gezückt und aufgenommen, das war unglaublich!

 

Vom Hospitieren und Unterrichten

Meine Tage verbringe ich damit, in verschiedenen Klassen zu hospitieren und einzelne Lektionen zu unterrichten. Diese Mischung erlaubt es mir zu experimentieren, ohne Materialien möglichst vielfältig zu unterrichten und diese Erfahrungen mit den Lehrpersonen auszutauschen. Die Lehrpersonen sind sehr offen und setzten einige Tipps um, die ich ihnen geben kann. Jedoch merkt man, dass sich Lehrpersonen wie Schüler an ihr System gewöhnt haben und es sehr schwer ist, diesen Kreis zu durchbrechen. Die Interaktionen mit dem Schulleiter und den Lehrpersonen sind sehr lehrreich und mir werden jeden Tag ihre Werte und Kultur nähergebracht. Die Unterhaltungen und Diskussionen nehmen kein Ende und der Tag fliegt mir nur so um die Ohren.

 

Ich freue mich auf die nächsten zwei Wochen und bin sehr glücklich, diese Erfahrung machen zu dürfen.