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Fussball mit Herz zur Friedensförderung in Kolumbien

INTERTEAM unterstützt unsere lokale Partner Corporación Desarrollo y Paz del Canal del Dique y Zona Costera und Centro Pastoral El Salvador mit einem finanziellen Beitrag und personell durch den Einsatz von Fachleuten.

Land

Kolumbien

 

Projektort/e

Cartagena

 

Themenbereich

Friedensförderung

 

Projektdauer

2016 - 2018

Hintergrund/ Ziel

In Kolumbien gelten aufgrund des bewaffneten Konflikts mehr als 7.7 Mio. Menschen als intern Vertriebene. Dies führte zu einer grossen Migration und Ansiedelungen an städtischen Randgebieten. Cartagena, die zweitgrösste Stadt an der Karibikküste im Norden des Landes, ist geprägt durch ein massives soziales Ungleichgewicht. Für viele Kinder und Jugendliche fehlen Perspektiven, was sich in einer hohen Rate an vielschichtigen Problemen äussert (Drogen, intrafamiliäre Gewalt, Kriminalität). Mit der Methodik des «Fútbol con corazón» (Fussball mit Herz) lernen Kinder in drei Halbzeiten wie ein friedliches Zusammenleben gestaltet werden kann.

Zielgruppe

200 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren


 

Projektaktivitäten

  • Aus- und Weiterbildung von Trainerinnen und Trainern in der Methodik «Fútbol con corazon», welches vor dem Fussballspielen das Vereinbaren von Werten und Regeln vorsieht und nach dem Spiel eine Reflektion über das Funktionieren der Gemeinschaft bzw. die abgemachten Regeln.
  • Wöchentliche Trainings der Kinder und Jugendlichen
  • Workshops mit den Kindern und Jugendlichen zur Stärkung der Selbstwahrnehmung (Persönlichkeitsentwicklung)
  • Einbezug von Eltern und Erziehungsberechtigten und Abschluss von   Entwicklungsvereinbarungen mit den Familien sowie Besuche der Trainerinnen und Trainer zuhause.
  • Gemeinsame Evaluation zur persönlichen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in schwierigen Situationen (insbesondere der Schule)

 

Partnerorganisation

Die beiden Nicht-Regierungsorganisationen Corporación Desarrollo y Paz del Canal del Dique y Zona Costera und Centro Pastoral El Salvador.

Projektbeschrieb

Kontakt

Bei Fragen zu den Projekten können Sie sich jederzeit an mich wenden!

 

Sebastian Bockrath

Institutionelles Fundraising, Projektfinanzierung

T  41 367 90 34

bockrath(a)interteam.ch

VOM BANDENMITGLIED ZUM FUSSBALLPROFI

«Wenn du nicht glaubst, dass du es kannst, hast du keine Chance.» Dieses Sprichwort von Arsene Wenger, Coach des englischen Premier-League-Vereins FC Arsenal, könnte ebenso aus dem Mund von Andrés Viafara aus Cartagena stammen. Andrés ist ebenfalls Trainer und leitet ein Projekt, welches Kindern mit Fussball schon das Leben gerettet hat.

 

Bis zu 200 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 17 Jahren treffen sich mehrmals wöchentlich in einem Armenviertel der kolumbianischen Touristenhochburg Cartagena zum Fussballtraining. Doch dabei gehe es um mehr als nur  Fussballspielen, betont Andrés gleich zu Beginn unseres Gesprächs. Dank der Unterstützung von INTERTEAM und der Partnerorganisation Corporación Desarrollo y Paz arbeitet Andrés mit der Methode «Futbol con corazón». Dabei werden sogenannte Lifeskills wie Kameradschaft, Respekt, Ehrlichkeit und Fairness ins Zentrum gestellt; wichtige Werte, die zu einem friedlichen Zusammenleben notwendig sind.

 

Die eigenen Erfahrungen prägen

Fussballtraining als Friedensförderung – kann das funktionieren? Der aus Cali stammende Trainer Andrés Viafara zieht einen Vergleich zu sich selber: «Ich wurde als Kind aufgrund des Kriegs von Cali nach Cartagena umgesiedelt. 2012 bin ich durch einen Pater zum Fussball gekommen. Er organisierte ein Fussballturnier für Kinder aus meinem Quartier. Er hat dafür gesorgt, dass ich nicht auf die falsche Bahn gerate und durch den Fussball eine wichtige Arbeit erhalte.»

 

Disziplin und Pünktlichkeit sind dem 33-jährigen Trainer wichtig. Kommt ein Jugendlicher alkoholisiert oder mit Verdacht auf Drogenkonsum zum Training, wird er nach Hause geschickt und darf nicht mitmachen. Ebenso ist Gleichberechtigung ein bedeutendes Thema, denn auch Mädchen können in einem der zwei Fussballteams von Andrés mitspielen.

 

Schon Leben gerettet

Andrés Augen leuchten, wenn er von seinen jungen Spielerinnen und Spielern erzählt. Er ist Trainier mit Leidenschaft. Und einer, der bei den Jugendlichen grossen Respekt geniesst. Auch deshalb, weil er einer von ihnen ist; er weiss, dass Fussballspielen seinem Leben wieder einen Sinn gegeben und ihn vor Schlimmerem bewahrt hat. «Ich kenne einen Fall von einem Jugendlichen, der bei uns im Club gespielt hat. Von einem Tag auf den anderen kam er nicht mehr ins Training. Sechs Monate später wurde er in einem Bandenkrieg erschossen. Er war gerade mal 15 Jahre alt.»


Die Jugendlichen teilen die Leidenschaft mit Andrés. Und dadurch auch seine vermittelten Werte des friedlichen Zusammenlebens. Andrés kennt die schwierigen Bedingungen, in denen seine kleinen Fussballprofis aufwachsen. Daher spricht er mit ihnen auch über Themen wie Gewalt in der Familie oder hilft bei der persönlichen Lebensplanung. «Ich bin überzeugt, dass wir durch den Sport einen Unterschied machen können. Die Kids lieben den Fussball, er hält sie gesund und füllt ihre Freizeit. Viele träumen von einer Profikarriere. Manche haben sogar den Sprung in die Profiliga geschafft. Doch das Wichtigste: Mit dem Club können wir die Kinder von der Strasse abhalten, damit sie keine Dummheiten machen.»

 

| Interview geführt von Tony Zuber, INTERTEAM-Fachperson

 


So gross wie dieses Tor sind auch die Träume der jungen Fussballer von einer Profikarriere.

 

Mädchen und Knaben kämpfen gemeinsam um den Ball;
Gleichberechtigung wird im Fussballprojekt «El Salvador» gross geschrieben.

 

Hart aber herzlich: Der 33-jährige Trainer Andrés Viafara weiss, dass Disziplin,
Respekt und Ehrlichkeit Grundsteine für einen nachhaltigen Frieden sind.

 

INTERTEAM-Fachperson Tony Zuber (weisses Shirt) und INTERTEAM-Fachperson Patrick Lefkaditis (gelbes Shirt) unterstützten dieses Projekt während ihren Einsätzen.

 Kurzinterview mit José Daniel Teheran, 17 Jahre alt


José Daniel erzählt der Facherperson Tony Zuber von seinem Viertel und wie er aufgewachsen ist.Was gefällt dir besonders am Fussballspielen / an diesem Club El Salvador?

Fussball bedeutet für mich alles. Beim Fussball vergesse ich alle Sorgen – sogar, dass ich eigentlich ständig Hunger habe. Auch der Trainer bedeutet für mich sehr viel. Er ist für mich wie ein Vater. Er gibt mir viele Tipps und Ratschläge, die mir auch im Leben und zu Hause helfen.

 

Wie hast du von diesem Projekt / diesem Club El Slavador erfahren?

Ich habe davon in der Schule erfahren. Ein guter Freund hat mir davon erzählt und einmal bin ich mitgegangen.  Danach habe ich kein Training mehr verpasst.

 

Kannst du mir etwas darüber erzählen, wo und in welchen
Verhältnissen du aufgewachsen bist?

Meine Mutter und meine drei Schwestern mussten wegen dem Krieg flüchten. Meine Familie wurde von den Paramilitärs bedroht. Heute leben wir hier in diesem Quartier «3 de Junio», wo nur Vertriebene und Kriegsopfer wohnen. Da es auf einer zugeschütteten Müllhalde konstruiert ist, gibt es viele Krankheiten. Zusätzlich werden die Häuser regelmässig überschwemmt und wir steigen auf den nahe gelegenen Hügel, bis das Wasser wieder sinkt. Meine Schwester hat Hepatitis und erlitt auch einen Zikavirus. Fürs Essen reicht es oft nicht, da beide Eltern arbeitslos sind und der Staat unsere Hilfesuche noch nicht erwidert hat. Meine Mutter verkauft im Quartier Fruchtsäfte, das gibt uns ein kleines Einkommen.

 

Welches sind deine beruflichen und sportlichen Ziele und Wünsche?

Ich will Fussballer werden. Das ist für mich klar. Mein Ziel ist es für Real Madrid zu spielen. Oder zumindest für  Nacional Medellin. Das wäre das Grösste!