Agroforstwirtschaft in Bolivien

Das ganze Jahr über reife Früchte, verschiedene Gemüse und hohe Bodenfruchtbarkeit – davon können bolivianische Kleinbauern nur träumen. Agroforstwirtschaft*  bringt diese Vorteile mit sich. Darum setzt sich das Netzwerk ECO-SAF für die Verbreitung dieses Produktionssystems ein.

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Ein Grundstück in Vinto bei Cochabamba im Jahr 2000...      ... und ein Parzelle 2008 (Bilder: ECO-SAF).

Es klingt paradiesisch, was die Gründerin von ECO-SAF, Noemi Stadler-Kaulich, schildert: „In der Erde wachsen Karotten, Rote Beete und Radieschen, knapp über der Erde lassen sich Salat, Kohl, Kürbis und Minze ernten; in Kniehöhe gedeihen Getreide, Bohnen, Erbsen und Beeren; auf Augehöhe reifen Maiskolben und Früchte von Rankenpflanzen und an den Obstbäumen hängen Äpfel, Guave, Avocado und Zitronen.“

Seit 2005 setzt sich Noemi Stadler-Kaulich für die Verbreitung von Agroforstwirtschaft in Bolivien ein; 2008 gründete sie ECO-SAF (Espacio COmpartido en Sistemas AgroForestales) als Netzwerk, um dieses Produktionssystem zu fördern. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen ist Noemi Stadler-Kaulich von den Vorteilen der Agroforstwirtschaft überzeigt: „Sie ermöglicht die ökologische Produktion von Nahrungsmitteln und schützt gleichzeitig die natürlichen Lebensgrundlagen Wasser und Boden. Vor allem aber gibt es das ganze Jahr über immer etwas zu ernten“, begründet Noemi Stadler-Kaulich. INTERTEAM wollte mehr darüber wissen.

INTERTEAM: Frau Stadler-Kaulich, nebst der ganzjährigen Ernte betonen Sie vorab die ökologischen Vorteile von Agroforstwirtschaft. Wie sehen diese konkret aus?
Noemi Stadler-Kaulich: Gerade im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Klimawandels, welche wir hier besonders spüren, haben Anbaukulturen in Agroforstparzellen den Vorteil, dass sie verkürzten Regenzeiten, Extremtemperaturen oder auch starken Winden besser widerstehen. Gleichzeitig wird der Boden vor Erosion und Austrocknung geschützt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Artenvielfalt, welche die Pflanzengesundheit und Bodenfruchtbarkeit fördert und den Einsatz von Agro-Chemie überflüssig macht. Das spart Kosten und schont die Umwelt.

Wenn Agroforstwirtschaft so vorteilhaft ist, warum verbreitet es sich dann nicht innert Kürze?
Dafür gibt es mehrere Gründe. So erfordert die Bewirtschaftung von Agroforstparzellen viel Handarbeit, gleichzeitig gilt der Verzicht auf landwirtschaftliche Mechanisierung unter hiesigen Bauern als Rückschritt. Ein weiterer Faktor ist die Agroindustrie, welche die Kleinbauern zum Kauf von Kunstdünger animiert. Schwächeln dann die Kulturen und werden sie deshalb Opfer von Schädlingen oder Erregern, steht die Agroindustrie mit dem Angebot an Pflanzenschutzmitteln bereit. Wer einmal in diesem Kreislauf ist, kommt nicht mehr leicht heraus. Eine andere Schwierigkeit ist die rentable Vermarktung. Die Ernte einer bestimmten Anbaukultur ist in Agroforstparzellen gering. Um die marktnotwendigen Erntemengen zu erreichen, müssen die Bauern sich zu Gruppen organisieren - ein zeitaufwendiger und mühsamer Prozess. Letztlich erfordern die Implementierung und das Handling von Agroforstparzellen auch ein umfassendes Wissen und eine langfristige Planung, die eine entsprechende Begleitung notwendig machen.

 Die Herausforderungen sind somit gross und vielfältig. Wie unterstützt ECO-SAF die Verbreitung von Agroforstwirtschaft?
Die Implementierung und die Bewirtschaftung von Agroforstparzellen erfordern ein umfassendes Wissen und eine langfristige Planung. ECO-SAF vermittelt in Kursen die nötigen Kenntnisse und begleitet die Kleinproduzenten und –produzentinnen sowohl beim Anbau und der Pflege ihrer Parzellen wie bei der Vermarktung ihrer Produkte. Wir führen auch eigene Agroforstprojekte durch und leisten Lobbyarbeit.

Welchen Beitrag können die Menschen in der Schweiz leisten, um Agroforstwirtschaft zu unterstützen?
Wer beim Kauf von Kakao oder Kaffee auf eine ökologische Zertifizierung achtet, tut bereits viel Gutes. Das Zertifikat garantiert die Produktion in einer artenreichen und nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelten Parzelle. Auch Paranüsse sind übrigens ein „Garant“ für eine natürliche Umgebung: die riesigen Tropenbäume produzieren ihre gesundheitlich sehr wertvollen Früchte nur in einer artenreichen Umgebung.

Eine weitere, direkte Möglichkeit der Unterstützung ist eine Spende für den Einsatz von Johannes Brunner. Der Agronom wird ab diesem September als INTERTEAM-Fachperson einen Einsatz bei uns leisten. Darüber bin ich sehr froh.

 Frau Stadler-Kaulich, wir danken Ihnen für das Gespräch.

*Agroforstwirtschaft
Agroforstwirtschaft bezeichnet ein Produktionssystem, das Elemente der Landwirtschaft mit denen der Forstwirtschaft verbindet. Dabei werden Bäume und landwirtschaftliche Nutzpflanzen auf derselben Fläche kombiniert. Agroforstwirtschaftliche Systeme werden insbesondere in Gebieten, die natürlicherweise von tropischem Regenwald bewachsen sind und in den Andentälern zwischen 1.500 und 3.500 Meter Höhe, als ökologisch vorteilhaft angesehen. Sie sind artenreich, stabilisieren den Wasserhaushalt und schützen den Boden vor Erosion. Allerdings ist die Vermarktung der Produkte aufgrund ihrer Vielfalt und der geringen Mengen oftmals schwierig, was die Wirtschaftlichkeit solcher Systeme beeinträchtigt.

veranstaltungen

  • Vortragsserie zum Einsatz in Tansania
    Dienstag, 18. Juni in Thalwil Freitag, 21. Juni in Wermatswil Uster
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  • Informationsveranstaltung 4. Juli 2013
    Donnerstag, 04. Juli 2013, 18.30 - 21.00 Uhr, Zentrum Barfüesser, Luzern
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  • Ehemaligen-Wochenende
    21./22. September 2013, Alte Villa, Bad Schönbrunn
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offene Stellen

  • Männer- und Gewaltberater – BO 13-01
    Cochabamba, Bolivien
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  • Pflegefachperson mit Weiterbildung in Spitalhygiene, TAN 12-01
    Bukoba, Kagera Region, Tanzania
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  • Betriebsökonom/in HR – ZA 12-01
    Nicaragua, Matagalpa/Jinotega
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