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Wie kommunizieren unsere Fachleute im Einsatz ?

Heute können wir uns nur schwer vorstellen, wie man ohne Internet auf Reisen in der weiten Welt überleben kann. Im Interview verraten uns die beiden ehemaligen Fachleute Cécile Portmann (82 Jahre) und Caroline Imesch (37 Jahre), welche Kommunikationsmittel ihnen im Einsatz zur Verfügung standen - heute und vor 50 Jahren.

Cécile, du warst von 1963 - 1966 in Fatima in Bolivien im Einsatz. Dies lag ja ziemlich Abseits, war wenig besiedelt. Wie bist du überhaupt dorthin gelangt?

 

Cécile: Bereits die Reise war ziemlich abenteuerlich. Sie dauerte rund anderthalb Monate, zuerst mit dem Schiff von Genua nach Buenos Aires, dann mit dem Zug eine Woche lang bis nach La Paz und von dort mit dem Flieger nach Fatima. Der Ort lag ziemlich im Urwald, besass jedoch eine kleine Landepiste. Es führten keine anderen Verkehrswege dorthin. Ich betreute mit einer weiteren Schwester die Krankenstation. Auf der Station lebten ca. 500 Personen; wir schliefen in Bambushütten auf einfachen Pritschen.

 

Wenn es keine Verkehrswege zu diesem Ort gab, wie sah dann die Kommunikation mit der Aussenwelt aus? Bspw. mit grösseren Städten wie La Paz?

 

Cécile: Hierzu existierte ein Radio-Transmitter, mit dem man mittels Radiowellen Kontakt mit La Paz aufnehmen konnte. Ein Telefon oder sogar ein Handy gab es dort zu dieser Zeit nicht. Auch in meinem Nachfolge-Einsatz in einer Krankenstation in Tschad gab es noch kein Telefon.

 

Caroline, als Cécile 1986 nach gesamthaft 18 Jahren aus dem Einsatz zurückkehrte, gingst du gerade in die erste Klasse. Unterdessen bist du als Sozialanthropologin und Kommunikationsspezialistin selber für drei Jahre im Einsatz gewesen in Matagalpa, Nicaragua. Von dort bist du vor ein paar Wochen zurückgekehrt. Wie sieht in Matagalpa die Kommunikation aus?

 

Caroline: In Matagalpa leben heute rund 120'000 Menschen in der Stadt. Daher ist die Kommunikationsinfrastruktur dort sehr gut ausgebaut. Ich hatte mit meinem Smartphone fast überall Empfang und war somit in der Lage, permanent mit der Aussenwelt Kontakt aufzunehmen, wenn ich wollte – Tag und Nacht. Anders sah dies auf dem Land aus: Dort mussten die Kaffeeproduzenten, mit denen ich zu tun hatte, oft oft weite Strecken laufen, um mit ihrem Handy Empfang zu haben.

 

Cécile, wie war es dir zu dieser Zeit möglich, mit deinen Eltern oder Freunden in der Schweiz in Verbindung zu bleiben?

 

Cécile: Selbstverständlich war ein regelmässiger Kontakt mit der Heimat nicht möglich. Circa zweimal im Jahr schrieb ich einen Brief an meine Eltern und etwa alle drei Monate erhielt ich Post aus der Heimat. Diese kam jeweils mit dem Flugzeug aus La Paz undoft sehr verspätet oder kam gar nicht an. Für die Kommunikation mit meiner Freundin in der Schweiz verwendete ich ein kleines Tonband-Aufzeichnungsgerät. Mit dem konnte ich persönliche Nachrichten aufnehmen und so die Tonbänder in einem Brief versenden.

 

Und erreichte deine Post immer den Bestimmungsort?

 

Cécile: Normalerweise benötigten die Briefe etwa drei Monate in die Schweiz. Erstaunlicherweise kamen die meisten von ihnen an.

 

Haben auch deine Eltern oder Freunde während deines Einsatzes Post von dir erhalten, Caroline?

 

Caroline: Ehrlich gesagt muss ich eingestehen, dass ich nie Briefe verschickt habe. Dank der guten Internetverbindung hatte ich mit meinen Eltern wöchentlich Kontakt. Meistens via WhatsApp-Nachrichten oder manchmal führten wir auch Skype-Gespräche. Die einzige Herausforderung lag hier in der Zeitverschiebung; Nicaragua liegt acht Stunden hinter der Schweiz.

 

Somit mussten deine Eltern nicht wie bei Cécile jeweils ein halbes Jahr auf ein Lebenszeichen warten…

 

Caroline: …Wenn meine Eltern einmal eine Woche keine Nachricht von mir erhielten, machten sie sich bereits Sorgen.

 

Und wie sah es mit der Post aus der Schweiz aus?

 

Caroline: Ich erhielt nie Post aus der Schweiz, ausser den Abstimmungsunterlagen; diese trafen immer pünktlich ein, wenn in der Schweiz wieder Urnengänge anstanden. Eine Freundin von mir erhielt jedoch regelmässig Fresspakete.

 

Cécile, wie sieht es mit den neuen Technologien wie Computer oder Smartphones heute bei dir aus?

 

Cécile: Ich muss gestehen, dass ich erst seit zwei Jahren im Besitz eines Natels bin. Seither schreibe ich viele SMS. Einen Computer besitze ich jedoch noch immer nicht – als Einzige des Franziskanerchors, wo ich Mitglied bin.

 

Caroline, in deinem Einsatz hast du den Kleinbauernverband CAFENICA u.a. in der Kommunikation unterstützt. Somit war das Internet sogar ein Teil deines täglichen Jobs. Hättest du dir überhaupt einen längeren Einsatz ohne Internet vorstellen können?

 

Caroline: Ich hätte ohne Internet meinen Auftrag gar nicht erfüllen können. Dieses Medium gehört unterdessen nicht nur zu meinem täglichen Leben, sondern auch zu jenem vieler meiner nicaraguanischen Freunde. Eine Kommunikation ohne Internet kann ich mir auf die Dauer nicht mehr vorstellen.

 

Zum Schluss, könnt Ihr mir noch erzählen, wie es denn um das Berichts- und -Rapportwesen innerhalb der Organisation INTERTEAM steht resp. wie sich dieses verändert hat?

 

Caroline: Heute schreiben wir Fachleute zweimal jährlich einen Newsletter (Rundbrief) an unsere Freunde und Bekannte in der Schweiz, verfassen Trimester- und Semester-Berichte für unsere Partnerorganisation, einen jährlichen Bericht für die Landesprogrammleitung und die Geschäftsstelle in Luzern, wie auch einen ausführlichen Schlussbericht am Ende des Einsatzes. Hinzu kommen gelegentliche Medienberichte oder Berichte für die Kommunikationsabteilung von INTERTEAM.

 

Cécile: Dies war früher tatsächlich noch anders (Anm. Redaktion: ein grosses Schmunzeln überkommt das Gesicht von Cécile). Landesprogrammleitende, die im Einsatzland vor Ort die Fachleute unterstützten, gab es noch nicht. Wir «Fachleute» waren somit weitgehend auf uns alleine gestellt. Auch der Austausch mit der INTERTEAM-Geschäftsstelle war eher rar. Wir schrieben noch keine Rundbriefe oder Berichte ausser einem Schlussbericht nach der Rückkehr. Ich lebte vor Ort mit und für die Leute auf den Krankenstationen. INTERTEAM vertraute darauf, dass ich dort mein Bestmöglichstes tat und mich für die Gesundheit der Leute einsetzte.

 

Herzlichen Dank an die Krankenspflegerin Cécile Portmann und die Sozialanthropologien Caroline Imesch für das spannende Interview.

Ein Generationentreffen: Cécile Portmann, Jahrgang 36, und Caroline Imesch, Jahrgang 81.

 

Caroline Imesch ging zur 1. Klasse, als Cécile Portmann bereits im Einsatz war.

 

Das Foto zeigt Cécile während ihres Einsatzes in Angola, anfangs 70er-Jahre.

 

 

 

 

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