INTERTEAM SPRICHT

Gibt es auch Einsätze, die nicht erfolgreich verlaufen/die abgebrochen werden müssen? Wenn ja, woran liegt das?

 

Misserfolge sind Teil des Lebens, so natürlich auch bei INTERTEAM. Nicht alle Einsätze sind erfolgreich und nachhaltig wirksam. Glücklicherweise liegt aber die Abbruchrate der Einsätze mit 5% auf einem niedrigen Niveau. Ein Einsatz in der Personellen Entwicklungszusammenarbeit lässt sich nur schwer mit einem «normalen Job» in der Schweiz oder im Ausland vergleichen. INTERTEAM-Fachleute entscheiden sich bewusst dafür, während mehrerer Jahre das gewohnte, sichere Umfeld der Schweiz zu verlassen und sich auf Neues und Unbekanntes einzulassen. Sie verlassen dabei ihre gewohnte Komfortzone und befinden sich in einem ständigen Lernprozess, in dem es darum geht, das Vertraute und Fremde miteinander zu verbinden und sich in dem fremden Umfeld sicher und wohlzufühlen – wie ein Fisch im Wasser!

 

Vielfältige Belastungsfaktoren

In ihrem Alltag vor Ort werden die Fachleute mit sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten und fremden kulturellen Orientierungen konfrontiert. Gewöhnungsbedürftig sind nicht nur das andere Klima, ungewohntes Essen, unangenehme Geräuschemissionen oder ungewünschte «Mitbewohner» … sondern vor allem die andere Art, wie das Leben vor Ort organisiert wird aufgrund der unterschiedlichen Geschichte und kulturellen Prägung. So treffen verschiedene Kommunikationsstile aufeinander, Zeit bekommt eine andere Bedeutung oder Abmachungen werden in einer uns fremden Verbindlichkeit gelebt.

 

Elementarerer Unterschied zum Reisen

Hinzu kommt, dass unsere Fachleute nicht wie beim Reisen üblich, immer weiterziehen, sondern diese Irritationen aushalten und sich im Arbeitsalltag in eine Partnerorganisation integrieren müssen. Wie bei einem Jobwechsel in der Schweiz, müssen Fachleute vor Ort sich am neuen Arbeitsort zuerst einleben, sich an die neue Unternehmenskultur gewöhnen, sich einen Ein- und Überblick verschaffen; sie versuchen, durch Kompetenz- und vor allem Beziehungs- und Vertrauensaufbau an Akzeptanz zu gewinnen – und dies alles in einem völlig unbekannten und fremden Kontext.

 

Gesundheit/Probleme bei PO

Jedoch können bei einem Einsatzabbruch auch Faktoren eine Rolle spielen, bei denen die Fachperson selber kaum etwas dafür kann. Neben gesundheitlichen Gründen wie bspw. einem Beinbruch oder einer plötzlich auftretenden Krankheit sind häufig auch veränderte Vorstellungen oder Wünsche bei der Partnerorganisation (PO) wesentliche Gründe. Kann keine Ersatzpartnerorganisation in absehbarer Zeit gefunden werden, so ist eine frühzeitige Rückkehr in die Schweiz leider unumgänglich.

 

Risiko "Einsatzstart"

Wir haben festgestellt, dass die Gefahr für Abbrüche beim Einsatzstart am Grössten ist und in der Regel nicht mit fehlender fachlicher Kompetenz der Fachleute zusammenhängt. Es sind die beschriebenen grossen Herausforderungen, sich in einem fremden Umfeld zurecht zu finden, den eigenen und fremden Erwartungen zu entsprechen und dabei typisch «schweizerisch» möglichst effizient und zielgenau eine Wirkung zu erzielen.

 

Erprobte Verhaltensweisen versagen

Schweizer Fachleute stehen sich manchmal mit ihren in der Schweiz erprobten Verhaltensweisen selber im Weg; persönliche Strategien führen oft nicht zum gewünschten Ziel. Für die Integration und Zusammenarbeit in diesem fremden Umfeld spielen daher Selbst- und Sozialkompetenzen wie auch interkulturelle Sensibilität eine zentrale Rolle. Es ist vor einem Einsatz schwierig einzuschätzen, wie Fachleute in diesen Stress-Situationen vor Ort reagieren werden, welche persönlichen Ressourcen und erprobten Strategien eingesetzt werden können.

 

Fachleute müssen sich mit Fingerspitzengefühl bewusst auf Arbeitsverhältnisse und Prozesse vor Ort einlassen und sich anpassen. D.h. in einer Anfangsphase zuerst einmal zuhören und beobachten und von unseren Partnern lernen. Die Haltung der Fachperson, als lernender Begleiter und Berater Teil eines gemeinsamen Lernprozesses zu sein, unterstützt eine partizipative und partnerschaftliche Zusammenarbeit, die auf lokalen Ressourcen und dem Wissen vor Ort basiert. Je mehr eine Schweizer Fachperson das Gefühl hat, sie würde die fertige Lösung für das Problem vor Ort bereits kennen, desto schwieriger wird es!

 

Perspektivenwechsel kann helfen

Es braucht unzählige kleine Schritte und viel Vertrauen zwischen den Partnern vor Ort und den neuen "fremden" Fachleuten, um gemeinsam nachhaltige Veränderungen zu erzielen. Eine probate Methode um die Sichtweise und Lebensrealität des Gegenübers zu veranschaulichen und zu würdigen ist der Perspektivenwechsel. Wie würde ich wohl in der Schweiz reagieren, wenn ein Fremder mir «sagt, wie ich meine Probleme lösen soll»? Wenn längerfristig keine vertrauensvolle Basis der Zusammenarbeit in der Partnerorganisation aufgebaut werden kann, ist je nach Situation ein Wechsel der Partnerorganisation oder eine frühzeitige Vertragsauflösung für alle Beteiligten die beste Lösung. Der Ansatz der Personellen Entwicklungszusammenarbeit – der Know-How-Transfer durch die Entsendung von spezialisierten Berufsleuten in armutsbetroffene Länder – ist ein über viele Jahrzehnte erprobtes nachhaltiges Konzept. Doch letztlich sind wie in allen Lebensbereichen oft die zwischenmenschlichen Komponenten der Beteiligten entscheidend, ob ein Einsatz gelingt oder nicht.

 

Andreas Furrer-Küttel

 

 

Gibt es Dinge rund um einen Einsatz, die auch Sie wissen möchten? Schreiben Sie mir Ihre Frage.

 

 

Andreas Furrer-Küttel

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