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Verbesserung der Schulbildung in namibia

Was Mathematik und Physik mit Jugendarbeitslosigkeit zu tun hat

Freudiger Weihnachtsbesuch auf der Geschäftsstelle! Auf Heimaturlaub erzählen die beiden Schweizer Fachleute Susanne und Paul Kaeser-Plüss, warum in Namibia die Farbe gelb auch mal grün sein kann und weshalb gut gemeinte Sachspenden von Hilfsorganisationen ohne Begleitung vor Ort keine gewünschten Veränderungen erzielen.

INTERTEAM: In Namibia, wo ihr im Einsatz seid, gibt es ja keinen Schnee. Habt Ihr nun entschieden, über die Festtage in der Schweiz euch wieder einmal auf die Ski zu begeben?

 

Susanne: Wir haben drei Kinder, die hier in der Schweiz leben, eines davon mit einer Behinderung. Daher versuchen wir wenn möglich, sie über die Festtage zu besuchen und mit ihnen zu feiern. Der Grund ist also die Familie.

 

INTERTEAM: Ihr lebt und arbeitet seit 2013 für INTERTEAM in der Sambesi-Region in Namibia. Dort unterstützt ihr das Bildungsministerium. Wie sieht denn eure Haupttätigkeit genau aus?

 

Paul: Unser Einsatz soll mithelfen, das Niveau des naturwissenschaftlichen Unterrichts an den Sekundarschulen zu verbessern. Dazu bieten wir für die Lehrkräfte Weiterbildungskurse an, beobachten ihre Lektionen, und unterstützen die Schulen bei Beschaffung und Unterhalt der nötigen Ausrüstung.

 

INTERTEAM: Ein bisschen zynisch gefragt: Ist naturwissenschaftlicher Unterricht wirklich DAS vorrangige Problem im Bildungsbereich in Namibia?

 

Paul: Dazu muss man wissen, dass die Jugendarbeitslosigkeit in der Sambesi-Region bei etwa 60% liegt. Gleichzeitig herrscht extremer Mangel an kompetenten Fachkräften, vor allem in technischen Berufen. Das liegt nicht nur an der Berufsausbildung, sondern auch an der Vorbildung, welche die Primar- und Sekundarschule bietet. Dort sollte aufmerksames Beobachten, kritisches Hinterfragen, logisches Schliessen und räumliches Vorstellungsvermögen geübt werden; Voraussetzungen, die beispielsweise für einen Mechaniker, einen Arzt oder einen Computerfachmann entscheidend sind. Solche Fähigkeiten werden ganz besonders in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern vermittelt.

 

INTERTEAM: Was läuft denn konkret schief im Unterrichten naturwissenschaftlicher Fächer? Der Lehrplan Namibias ist doch vorbildlich? Er orientiert sich an bewährten Standards und schreibt klar vor, was den SchülerInnen vermittelt werden soll.

 

Susanne: Der Lehrplan ist gut, aber es braucht Lehrpersonen, die ihn umsetzen können. Den meisten fehlt es an einer geeigneten Ausbildung. Sie haben selber eine Schulkarriere durchlaufen, in der vor allem auswendig Lernen gefragt war, häufig ohne das Gelernte verstehen zu müssen. Da wundert es nicht, dass es ihnen an Fachkenntnissen und an methodischen Fähigkeiten mangelt.

 

INTERTEAM: Dann steht es also schlecht um das vom Lehrplan geforderte wissenschaftliche Beobachten und Interpretieren. Wie äussert sich das im Unterricht? Könnt ihr hier ein Beispiel geben?

 

Paul: Ich beobachtete eine Chemie-Lektion, in der die Lehrerin den pH-Wert einer neutralen Lösung mit einem Indikator bestimmte. Gemäss Lehrbuch sollte die Lösung eine grüne Färbung annehmen. Die Lehrerin zeigte das Reagenzglas; die Lösung war eindeutig gelb. Sie fragte nach der Farbe; ein Schüler antwortete „gelb“. „Falsch“, sagte die Lehrerin, „wer erkennt die richtige Farbe?“ Als ein Schüler mit „grün“ antwortete, wurde er gelobt. Die Schüler lernen so, Büchern mehr zu vertrauen als ihren Augen.

 

INTERTEAM: Im nächsten Sommer geht euer gemeinsamer Einsatz für INTERTEAM zu Ende. Gibt es konkrete Erfolge eurer Arbeit?

 

Paul: Viele Lehrpersonen hatten in der Vergangenheit kaum je Experimente durchgeführt, obwohl der Lehrplan das ausdrücklich verlangt. Sie hatten selbst in ihrer Ausbildung nur Theorie gelernt und hatten keine experimentelle Erfahrung. Inzwischen beobachten wir viele praktische Lektionen. Die Motivation der Schüler steigt eklatant – sie wollen nach den Lektionen oft kaum das Klassenzimmer verlassen. An vielen Schulen wurden die Materialsammlungen aufgeräumt und Geräte repariert. Die Schulen konnten dank unserem Einsatz fehlendes Material einkaufen; bezahlt wurde es vom Namibischen Erziehungsministerium. Unsere Beratung ist wirklich gefragt: Lehrpersonen aus entfernten Dörfern, die das Wochenende in der Stadt verbringen, suchen uns dort auf, um ihre Fragen beantwortet zu bekommen.

 

INTERTEAM: Welches sind in euren Augen die grössten Herausforderungen für euren Nachfolger resp. eure Nachfolgerin?

 

Susanne: Naturwissenschaftlicher Unterricht benötigt Material für Demonstrationen und Schülerexperimente. Sie bilden das Anschauungsmaterial, um das wissenschaftliche Denken zu schulen. Es gilt, die Kombination von Materialbeschaffung und Lehrerausbildung, die sich bei unserer Arbeit bewährt hat, auf weitere Schulen auszudehnen. Unglücklicherweise ist Namibia kürzlich in eine Finanzkrise geschlittert, so dass jetzt das Geld fehlt, um Unterrichtsmaterial zu beschaffen. Es müssen Sponsoren gefunden werden, die in die Lücke springen, bis die Krise überwunden ist. Denn Kurse, in denen die Lehrpersonen das Experimentieren lernen, machen keinen Sinn, wenn sie an ihrer Schule das nötige Material nicht zur Verfügung haben.

Das umgekehrte – Materialbeschaffung ohne Training – ist übrigens auch nicht besser. Wir haben beispielsweise Computer gefunden, die vor 7 Jahren von einer Hilfsorganisation gespendet wurden, und die immer noch unbenutzt in ihrer Originalverpackung im Lager stehen. Diese Computer sind unterdessen leider schrottreif. Wer Material liefert, muss sich auch darum kümmern, dass es installiert, verwendet und gewartet wird. Dazu muss man die Partner ausbilden.

 

Hier ist der doppelte Ansatz von INTERTEAM der richtige Weg. Für eine wirkungsvolle und nachhaltige Unterstützung braucht es einerseits persönliche Begleitung durch Fachleute vor Ort, andererseits auch gezielte finanzielle Investitionen. Diese müssen durch Fachleute kontrolliert und begleitet werden.

Die Herausforderung für INTERTEAM ist klar: Trotz Finanzkrise in Namibia die nötigen finanziellen Ressourcen aufzutreiben und einen geeigneten Nachfolger zu finden, um gemeinsam mit den Namibischen Erziehungsbehörden den Schulunterricht nachhaltig zu verbessern.

 

INTERTEAM: Vielen Dank für das spannende Gespräch - und geniesst Euren Urlaub hier in der Schweiz.

 

Interview Dani Scherrer, Leiter Kommunikation

 

 

Die Biologin Susanne und der Biochemiker Paul stehen seit 2013 für INTERTEAM im Einsatz für eine Verbesserung der Bildung in Namibia.

Schauder erregender Anblick eines Schullagerraums der Sambesi-Region...nicht nur wegen dem Skelett.

 

Falscher Umgang mit Chemikalien macht es unmöglich, diese noch für Experimente im Unterricht zu verwenden.

 

Wird Salzsäure nicht richtig verschlossen und gelagert, kann diese unfreiwillig durch die Regale wandern.

 

Auf Weihnachtsurlaub erzählen uns Susanne und Paul Kaeser-Plüss von ihren Fortschritten und Erfahrungen im Bildungsbereich in Namibia.

 

Mit eindrücklichen Fotos erzählen Susanne und Paul von ihrer Arbeit. Hier erklärt Susanne bei einer Lehrerweiterbildung den menschlichen Körper.

 

Experimente sind im naturwissenschaftlichen Unterricht das A und O. Nur so lernen Schüler Zusammenhänge erkennen und logisch denken - elementare Eigenschaften für spätere technische Berufe.

 

Nachdem die Wichtigkeit von geordnetem Schulmaterial erkannt wurde, sehen die Lagerkästen nun so aus.

Interessiert, als NachfolgerIn von Susanne und Paul die Schulbildung im Norden Namibias nachhaltig zu verbessern? Dann bewerben Sie sich jetzt!

 

Lehrperson für naturwissenschaftliche Fächer gesucht

Arbeitsort: Katima Mulilo

Pensum: 100 %

 

> Weitere Informationen zur offenen Stelle

 

> Zum Webprofil von Susanne und Paul Kaeser-Plüss

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