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(Über-)Leben in Potosí

Auf Heimurlaub in der Schweiz erzählt uns die INTERTEAM-Fachperson Hannah-Lina Schütz aus ihrem Einsatzleben in Potosí, Bolivien, auf über 4000 Meter. Wie kommt sie mit der enormen Höhe zurecht? Und warum sind die Silberminen, welche Potosí einst zu den grössten Städten der Welt werden liessen, heute mehr Fluch als Segen? Wir haben Hannah Lina auf der Geschäftsstelle in Luzern gefragt.

 

 

Du lebst und arbeitest aktuell auf 4000 m ü.M. Geht das?

 

Ich habe mich mit der Höhe zum Glück gut abgefunden. Somit ist sie kein grosses Problem mehr für mich. Viele Fachleute leiden jedoch bei Einsätzen in solchen Höhen. Persönlich merke ich die Höhe beim schnellen Laufen, da komme ich schneller ausser Atem. Auch bin ich generell müder, doch ist dies vor allem auf die Kälte bzw. die starken Temperaturschwankungen von 20 Grad innerhalb eines Tages zurückzuführen; das spürt man beim Fehlen von Heizungen bzw. Isolationen umso mehr.

 

Wie muss ich mir als Schweizer Potosí vorstellen?

 

Potosí ist historisch und architektonisch sehr interessant und bedeutend. Die Stadt war für die spanische Krone durch die grossen Silbervorkommen im Cerro Rico ein Symbol für Reichtum und Macht. Im 17. Jh. war sie sogar grösser als Madrid und andere europäische Städte. Gleichzeitig fand auch eine enorme Ausbeutung der Arbeitskräfte statt; Minenarbeiter mussten (und müssen heute noch) unter widrigsten und gefährlichsten Umständen arbeiten. Die (koloniale) Geschichte ist sehr sicht- und spürbar, u.a. durch die koloniale Architektur des Zentrums, die noch stets aktiven Minen des «Silberbergs», die wirtschaftliche Struktur Potosís (mittlerweile ärmstes Departement Boliviens) oder durch das kollektive Gedächtnis der Bevölkerung.

Landschaftlich ist Potosí extrem karg und trocken. Es hat wenig Vegetation, dafür eine grosse Umweltverschmutzung durch Bergbauaktivitäten. Die Leute sind ein «Bergvolk», d.h. sie sind eher reserviert und zurückhaltend. Sie sind etwas schüchtern aber auch sehr nett und freundlich und ich nehme sie als sehr interessiert war. Die Menschen aus Potosí gelten als kämpferisch und «hart im Nehmen».

Durch die grosse Migration aus ländlichen Gebieten, ist der indigene (quechua) Einfluss sehr deutlich. Religion spielt eine grosse Rolle, da die Leute eher traditionell und konservativ leben.

 

Wie du bereits erwähnt hast, ist Potosí stark von einer Bergarbeiterkultur geprägt; kannst du mir diese Kultur kurz beschreiben?

 

In den Silberminen herrscht eine reine Männerkultur vor, da keine Frauen erlaubt sind. Daher ist Männlichkeit und der Beweis davon sehr zentral. Virilität ist sehr wichtig, Alkoholkonsum Teil des Arbeitsalltags. Hinzu kommen sehr schwere und prekäre Arbeitsbedingungen, ein hohes Unfallrisiko und eine tiefe Lebenserwartung, was insbesondere für die Familien der Männer eine grosse Belastung darstellt.

 

Die Bergarbeiterfamilien weisen ein erhöhtes innerfamiliäres Gewaltpotential auf. Was sind die Gründe dafür?

 

Es sind viele Faktoren die zusammenspielen und zu einem erhöhten Gewaltpotential in solchen Familien führen. Einerseits ist der erwähnte Machismo bzw. die Dominanz der Männlichkeit sehr verbreitet. Auf der anderen Seite ist der Familienzusammenhalt und die Familienstruktur durch die Migrationssituation oft destabilisiert; die Migration schwächt die Positionen von Frauen und Kindern. In diesem (peri)urbanen Kontext entsteht ein Spannungsfeld zwischen «ursprünglichen» Normen und Verhaltensweisen und wirtschaftlicher und sozialer Realität. Denn die Familien befinden sich allgemein in prekären Arbeits-, Wohn- und Lebenssituationen und sind einem hohen ökonomischen Druck ausgesetzt; es bestehen wenig Perspektiven/Alternativen. Hinzu kommt ein oftmals hoher Alkoholkonsum. Durch die Weitergabe dieses Konfliktverhaltens über Generationen entsteht leider ein schwer zu durchbrechendender Teufelskreis.

Hannah Lina Schütz ist Lateinamerika-Spezialistin und arbeitet in Potosí für INTERTEAM zugunsten von sozial benachteiligten Frauen.

 

Im Zentrum ihrer Tätigkeiten steht u.a. die Unterstützung des Centro de Promoción Minera (CEPROMIN), welches Präventions- und Betreuungsarbeit für gewaltbetroffene Frauen, Kinder und Jugendliche aus dem Bauarbeitermillieu macht.

 

Mehr erfahren über den Einsatz von Hannah Lina Schütz >

Bei einem spontanen Besuch auf der Geschäftsstelle in Luzern lauschen wir interessiert den Ausführungen von Hannah Lina.

Bei einem spontanen Besuch auf der Geschäftsstelle in Luzern lauschen wir interessiert den Ausführungen von Hannah Lina.

In ihren Rundbriefen erzählt Hannah Lina regelmässig von ihren Erlebnissen mit gewaltbetroffenen Frauen.

Detail aus einer um 1715 entstandenen Südamerikakarte von Herman Moll (Bildquelle: Wikipedia)

Potosí heute (Bildquelle: Wikipedia).

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