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INTERTEAM Student 2018

Myrtha Ruckli

Steckbrief zu Myrtha Ruckli

 

Aktueller Grad im Studium 

Pädagogische Hochschule Luzern, Studiengang Primarstufe, 4. Semester 

 

Projekt-Einsatzdauer

02. Juli – 03. August 2018

 

Einsatzland

Nkurenkuru, Namibia

 

Betreuung vor Ort durch INTERTEAM Fachperson

David Eugster-Leu; Schreiner, Primarlehrer mit Inklusionserfahrung

 

Arbeitsgebiet

  • Mitarbeit in einer «Spezialklasse» für slow learners. Das Unterrichten von einzelnen Sequenzen in einer Mehrjahrgangsklasse und so im Stile des Modellernens, den Lehrpersonen die Möglichkeit zum Kennenlernen neuer Unterrichtsformen bieten.
  • Evaluation der tatsächlichen Schwächen der Schülerinnen und Schüler der «Spezialklasse».

 

Erlebnisbericht 2 - August 2018

Wie schnell die Zeit vergeht…

Nun sind wir bereits seit knapp 5 Wochen in Namibia und der Einsatz in der «Special Class» in der Kahenge Combined School fast vorbei. Die Namen der Schülerinnen und Schüler sitzen alle sattelfest, obwohl wir dies am Anfang nicht gedacht hätten, denn das erste Mal vollzählig war die Klasse erst in der dritten oder vierten Woche. Mittlerweile kennen uns auch die meisten anderen Schülerinnen und Schüler der Schule und sobald keine anderen Lehrpersonen da sind, sind die normalerweise scheuen Kinder plötzlich interessiert daran mit einem zu sprechen.

 

Die Lehrpersonen werden auch von Tag zu Tag offener und gesprächiger. Im Lehrerzimmer kann es dann schon mal vorkommen, dass sie von uns Wörter lernen wollen, oder von uns wissen wollen, wie es bei uns aussieht und was für Tiere wir haben. Für einige war es fast unverständlich, dass es bei uns keine Elefanten oder Hippos gibt. Im Lehrerzimmer gibt es zweimal die Woche ein Briefing, woran alle teilnehmen müssen. Dabei werden die neusten Informationen oder Aufrufe bekannt gegeben. Bevor dieses Briefing jeweils startet wird gebetet. In der letzten Woche unseres Aufenthaltes wurde dann mir der Auftrag erteilt, das Morgengebet zu halten. Spontanität ist ein riesen Vorteil in diesem Land.

 

Lernstandeserfassung der Schülerinnen und Schüler

Ein grösseres Projekt, in Zusammenarbeit mit unserer Fachperson David Eugster-Leu von INTERTEAM, war die Lernstandeserfassungen aller Schülerinnen und Schüler der «Special Class» im Fachbereich Mathematik und in der Phonologie. Alle Lernende haben sogenannte «Screening Tests» absolviert. Dabei ging es darum festzustellen, was die Schülerinnen und Schüler in diesen Bereichen beherrschen. Die Tests haben sowohl mündlich wie auch schriftlich stattgefunden. Anschliessend erfolgte die Auswertung jedes einzelnen Schülers. Die Ergebnisse zeigen die Heterogenität dieser Klasse auf. Es gibt Schülerinnen und Schüler, die wären laut Test noch nicht mal in der 1. Klasse, andere hingegen beherrschen den Mathematikstoff der 3. oder teilweise 4. Klasse.

 

Diese Heterogenität stellt die Lehrperson vor grosse Herausforderungen. Dies zeigt sich dann auch im Unterricht während die schwächsten Schülerinnen und Schüler z.B. die ersten paar Aufgaben einer Mathematikübung lösen, sind andere bereits fertig. Bei uns wird an den pädagogischen Hochschulen das Thema "Differenzieren" aufgegriffen und viel dazu gelernt und geübt. Obwohl wir darüber Bescheid wissen und geschult wurden, kann man dieser Heterogenität der «Special Class» nicht gerecht werden.

 

Wir haben probiert verschiedene Aufgabenblätter zu gestalten, um den verschiedenen Niveaus in der Klasse gerecht zu werden. Um die Realisierung so erfolgreich wie möglich zu gestalten, bräuchte es aber mehrere Lehrpersonen im Klassenzimmer und ausserdem eine 1:1 Betreuung für gewisse Lernende. Die Heterogenität der «Special Class» kann wohl auch mit der heterogensten Klasse der Schweiz nicht verglichen werden. Als zukünftige Lehrperson werde ich dies immer im Hinterkopf behalten.

 

Unterrichterfahrungen

Unterrichtserfahrungen konnten wir täglich sammeln. Nachdem wir anfangs Einsatz bereits einmal zwei Tage alleine waren, wussten wir, wie es sich anfühlt, wenn man ohne Klassenlehrperson unterrichtet. Aufgrund von Workshops und einer gesundheitlichen Operation unterrichteten wir weitere Tage alleine. Die Kinder sind sehr anständig zu uns, untereinander, so scheint es für uns, sind sie manchmal sehr hart, jedoch können sie auch viel einstecken.

 

Die Kinder hatten es nicht einfach mit uns, denn für sie war diese Zeit Englischunterricht pur. Wir konnten jedoch auch unseren Rukwangali-Wortschatz erweitern. Dies ist ein Vorteil, wenn man für Ruhe sorgen will, denn darauf hören sie besser als auf Englisch. Während unseres Aufenthaltes haben wir mit den Schülerinnen und Schüler ein Bewegungslied gelernt. In der letzten Schulwoche haben wir aus Recyclingmaterialien wie Petkanister, Petflaschen, Joghurtbecher oder Aludosen, Instrumente gebastelt. Nachdem wir die Einführung in diese Instrumente gemacht und sie ausprobiert haben, spielten wir diverse Rhythmen. Es ist unglaublich wie musikalisch diese Kinder sind. Sie haben die Musik im Blut. Einige spielten, tanzten oder sangen. Bei Musik werden sogar die ganz scheuen Kinder zu richtigen Tanzbären.

 

Was ich durch meinen Einsatz nie vergessen werde ist, wie flexibel, spontan und nicht zuletzt geduldig man in Namibia sein muss.

 

Mpandu unene!

 


 

Myrtha Ruckli - Am Erklären vor dem Screening-Test.

 

Myrtha Ruckli - Individuelle Förderung einer Schülerin, welche die Buchstaben nicht kennt.

 

Myrtha Ruckli - Am spielen der Instrumente aus Recyclingmaterialien.

 

Klassenfoto mit den beiden INTERTEAM-Students Myrtha Ruckli und Lorena Winterberg.

 

 

Erlebnisbericht 1 - Juli 2018

Die Ankunft

Seit 2 Wochen wohnen wir nun in einem Guesthouse am Fluss des Okavango in Nkurenkuru. Unsere Reise von Windhoek nach Nkurenkuru, ganz im Norden des Landes an der Grenze zu Angola, verlief einwandfrei. Mit unserem Mietauto sind wir die ca. 850 km von Windhoek nach Nkurenkuru gefahren und haben bereits da, am Strassenrand, ein paar Tiere gesehen. Die spektakulärsten waren die Affen und Warzenschweine.

 

In Nkurenkuru wurden wir von David Eugster-Leu, unserer Betreuungsperson und Fachperson von INTERTEAM, herzlich in Empfang genommen. Da zur Ankunftszeit die Schweiz gegen Schweden im Achtelfinal der Fussball-WM in Russland spielte, haben wir die Chance gepackt und gemeinsam das Spiel verfolgt.

 

Kahenge Combined School

Am nächsten Morgen haben wir uns auf den Weg zur Kahenge Combined School gemacht. Wir wurden von allen Lehrpersonen herzlich in Empfang genommen. Anschliessend haben wir uns in die «Special Class» begeben, wo die Schülerinnen und Schüler uns schon erwarteten. Das Vorstellungsspiel in der Klasse war interessant. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir keinen einzigen Namen merken, da alles so fremd klang. Anschliessend unterrichtete die Klassenlehrperson Mrs Klara Katuro in Rukwangali. Auch wenn man aufmerksam zuhört, kann man nicht erraten, um was sich der Inhalt handelt, denn die Sprache ist komplett anders. Ein Vorteil gibt es in Rukwangali jedoch. Wenn man etwas geschrieben sieht, kann man es oft so aussprechen wie man es liest.

 

Die Kommunikation mit den Schülerinnen und Schüler ist schwierig, da die meisten über keine guten Englischkenntnisse verfügen. Die Kinder der «Special Class» haben alle gewisse Einschränkungen. Die einen können nicht lesen, andere haben Mühe beim Rechnen und mit der Zeit haben wir herausgefunden, dass gewisse auch nicht schreiben können. In der Klasse gibt es also nicht nur riesige Unterschiede im Alter der Schülerinnen und Schüler, sondern auch im Lernstand.

 

Meine Unterrichtserfahrungen

Seit dem zweiten Tag in der Schule dürfen wir einzelne Sequenzen in Englisch unterrichten. Die Kinder sind sich an einen ganz anderen Unterricht gewöhnt, als wir ihn in der Schweiz praktizieren. Damit die Schülerinnen und Schüler unseren Unterricht verstehen, sind wir auf die Übersetzung der Lehrperson angewiesen. Zudem probieren wir mit möglichst vielen Visualisierungen zu arbeiten, damit sich die Lernenden etwas unter dem Gesagten vorstellen können.

 

«Grundsätzlich fragen die Kinder nicht um Hilfe.

Sobald sie etwas nicht lösen können, machen sie einfach nicht mehr weiter.»

 

Während dem Matheunterricht können wir die Lehrperson jeweils unterstützen, da die Sprache bei diesem Fach nicht im Vordergrund steht. Es ist interessant zu sehen, wie verschieden das Niveau dieser Klasse ist und wer wo Hilfe benötigt. Grundsätzlich fragen die Kinder nicht um Hilfe. Sobald sie etwas nicht lösen können, machen sie einfach nicht mehr weiter. Da wir nun zu dritt im Schulzimmer sind, können wir da den Schülerinnen und Schüler unter die Arme greifen, sodass sie weiterarbeiten können. Die Wörter «Egusomo» (Minus) und «Eturokumwe» (Plus) haben wir uns schnell eingeprägt.

 

In der zweiten Woche hatte uns Mrs Klara Katuro mitgeteilt, dass sie zwei Tage nicht an die Schule kommen wird und wir die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sollen. Ich denke, sie hat an unseren Gesichtsausdrücken gemerkt, dass wir nicht besonders erfreut über diese Nachricht waren. Schlussendlich haben wir ein abwechslungsreiches Programm für zwei Tage vorbereitet. Der Unterricht klappte auch ohne Übersetzung, denn Sprache funktioniert schliesslich auch mit Händen und Füssen.

 

Wir lassen uns überraschen, was die nächsten drei Wochen auf uns zukommt...

 

 

 

Unterrichtsvorbereitung zu gesunder und ungesunder Nahrung.

 

Ich unterstütze die Klasse im Mathematik-Unterricht.

 

Die Klasse am Singen.