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INTERTEAM Student 2018

Lorena winterberg

Steckbrief zu Lorena Winterberg

 

Aktueller Grad im Studium 

Pädagogische Hochschule Luzern, Studiengang Primarstufe, 4. Semester 

 

Projekt-Einsatzdauer

02. Juli – 03. August 2018

 

Einsatzland

Nkurenkuru, Namibia

 

Betreuung vor Ort durch INTERTEAM Fachperson

David Eugster-Leu; Schreiner, Primarlehrer mit Inklusionserfahrung

 

Arbeitsgebiet

  • Mitarbeit in einer «Spezialklasse» für slow learners. Das Unterrichten von einzelnen Sequenzen in einer Mehrjahrgangsklasse und so im Stile des Modellernens, den Lehrpersonen die Möglichkeit zum Kennenlernen neuer Unterrichtsformen bieten.
  • Evaluation der tatsächlichen Schwächen der Schülerinnen und Schüler der «Spezialklasse».


Erlebnisbericht 2

Seit Tagen geht mir die Nationalhymne Namibias nicht mehr aus dem Kopf. Bei Sonnenaufgang, jeweils montags und freitags, versammelten sich die gesamte Schüler- und Lehrerschaft vor einem Schulgebäude zum Assembly (morgentliche Versammlung). Zuerst sang der Schülerchor einige Lieder, danach wurde die namibische Nationalhymne gemeinsam gesungen, währenddem die Flagge Namibias hochgezogen wurde. Nach dem morgentlichen Gebet wurden Informationen an die Schülerinnen und Schüler weitergegeben und anschliessend entliess man sie in ihre Klassen. Die Assemblys mochte ich sehr, da es ein schöner Start in den Tag war. Der Gesang des Schulchors bei Sonnenaufgang werde ich bestimmt vermissen.

 

Kirchenbesuch an einer Privatschule

Der Glaube hat hier einen hohen Stellenwert. Dies merkte man sogar im Schulalltag: Zu Beginn der Lehrpersonen-Briefings, beim Assembly und vor Schulschluss im Klassenzimmer, wurde gebetet. Am Sonntag der dritten Einsatzwoche besuchten wir mit den Fachleuten Christina und David Eugster-Leu eine Kirche an einer Privatschule. Es war sehr interessant mal einen etwas anderen Gottesdienst mitzuerleben. Die Pastorin stellte uns zu Beginn des Gottesdienstes allen Anwesenden vor und dankte uns für unseren Besuch und unsere Arbeit - der Sohn der Pastorin war nämlich in unserer Special class. Um dem teils rukwangalischen, teils englischen Gottesdienst folgen zu können, erhielten wir kleine Büchlein, in denen der Ablauf beschrieben war. Im Vergleich zu unseren Gottesdiensten wurde hier viel mehr gesungen und es dauerte etwa doppelt so lange. Für die Kommunion gingen wir gruppenweise nach vorne, knieten uns hin und bekamen eine Hostie und Wein. Am Ende des Gottesdienstes wurden noch die saubersten Wohntrakte der Mädchen und Jungen auserkoren. Für die Schülerinnen und Schüler der Privatschule ist der Gottesdienst Pflicht, Aussenstehende (wie Eltern) sind auch gerne willkommen.

 

Screenings

Um die wirklichen und aktuellen Lernstände der Schülerinnen und Schüler der Special class zu evaluieren, führten wir Screenings durch. Wir testeten sie in Mathematik und der englischen Phonologie. Die Tests führten wir in der Kantine des Lernenden-Hostels durch, da keine anderen Räumlichkeiten zur Verfügung standen. Beim Mathe-Screening war der erste Teil mündlich. Es ging u.a. darum zählen zu können und Zahlen richtig zu ordnen. Danach ging es zum schriftlichen Teil beziehungsweise zum eigentlichen Rechnen über. Leider scheiterten einige Schülerinnen und Schüler schon beim ersten, mündlichen Teil, weswegen ihr Lernniveau der Pre-Primary entspricht. Beim englischen Phonologie-Screening ging es zum einen darum, Anfangslaute von Wörtern wiederzugeben, zum anderen mussten sie Buchstaben und Wörter lesen. Auch dies bereitete vielen Lernenden grosse Mühe. Die Tests zeigten nun wieder einmal, wie unterschiedlich die Lernstände der einzelnen Schülerinnen und Schüler sind. Die Ergebnisse sollen der Klassenlehrperson später helfen, besser differenzieren und die Kinder gezielter fördern zu können.

 

Mehr im Einsatz als gedacht

Da die Klassenlehrperson u.a. aufgrund einer Operation mehrere Tage nicht zur Schule kommen konnte, kamen wir mehr zum Einsatz als gedacht. Es bereitete uns viel Freude, den Kindern neue (Sport-)Spiele, Mathematikthemen, Lieder und vieles mehr beizubringen.

 

Ich kann nun mit einem Rucksack voller neuer Erfahrungen zurück in die Schweiz reisen und werde mich sicherlich gerne an diese abenteuerliche Zeit zurückerinnern.

 

 


Erlebnisbericht 1 - Juli 2018

Unser Zuhause mit Ausblick auf den «Okavango» und Angola.

Nach einer erlebnisreichen Praktikumszeit ging es direkt los mit einem neuen Abenteuer - unser INTERTEAM-Students-Einsatz in Namibia. Am Sonntagabend startete unser Flug über Amsterdam nach Windhoek, der Hauptstadt von Namibia. Dort angekommen, wurden wir von Martin Suhr – dem Landesverantwortlichen von INTERTEAM – herzlich empfangen und er brachte uns zur Autovermietung und später in unser Guesthouse. Am Nachmittag gingen wir auf Einkaufstour, um uns mit Nahrungsmitteln für die folgende Woche einzudecken. Wir waren erstaunt, wie viele Leute in den Strassen und Einkaufszentren waren. Am Abend wurden wir mit Bettflaschen überrascht, denn es war in Namibia selten so kalt wie in dieser Woche.

 

Warzenschweine und Affen hiessen uns willkommen

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg nach Nkurenkuru, unserem zukünftigen «Zuhause». Vor uns lagen 850 Kilometer, das heisst etwa acht Stunden Fahrt. Die Fahrt verging wie im Flug und wir konnten bereits viele neue Eindrücke sammeln. Die Strassen waren leer und in sehr gutem Zustand. Ab und an sah man Tiere am Strassenrand, wie Warzenschweine oder Affen. Je weiter wir in den Norden fuhren, desto grüner wurde es und desto mehr Kühe, Ziegen, Hunde und kleine Holzhüttenansammlungen gab es. Am späteren Nachmittag sind wir in Nkurenkuru, der neuen, aber noch bescheidenen, Hauptstadt der Region Kavango-West angelangt. Wir wurden dort von David Eugster-Leu, unserer Betreuungsperson von INTERTEAM, in Empfang genommen. Später zeigte er uns unsere Bleibe für die nächsten fünf Wochen. Sie liegt direkt am Fluss «Okavango», hinter dem Fluss befindet sich bereits Angola. Jeden Tag kommen Einheimische, waschen sich und ihre Kleidung am Fluss.

 

Der erste Schultag

Am Mittwochmorgen war bereits der erste Schultag. David begleitete uns dabei, zeigte uns, wo die Schule ist und stellte uns den Lehrpersonen und der Schuldirektorin vor. Die Kahenge Combined School liegt etwa zehn Kilometer östlich von Nkurenkuru. Es gehen dort etwa 600 Schülerinnen und Schüler zur Schule. Auf dem Gelände stehen acht Gebäude, davon sind zwei so genannte «Hostels», für Schülerinnen und Schüler, welche von der Schule zu weit entfernt wohnen. Die Schule dauert jeweils von 7.30 Uhr bis um 12.40 Uhr. Wir lernten die Klasse kennen und konnten uns bereits ein Bild über dessen Leistungsheterogenität machen. Von den rund 30 Schülerinnen und Schüler kann eine Schülerin nicht schreiben, etwa fünf können zwar rechnen, kennen aber die Zahlen nicht, einige können nicht lesen oder haben grosse Mühe mit Rechnen (sogar mit Aufgaben der 1. Klasse) und andere sind relativ gut und rechnen über hundert oder mehr. Auch das Alter in der «Special class» variiert sehr, von 10 bis 19 Jahren. Am Ende des Morgens war die Klasse sehr neugierig und löcherte uns mit Fragen, wie zum Beispiel, ob es bei uns auch Kühe, Elefanten oder dunkelhäutige Menschen gäbe.

 

«Von den rund 30 Schülerinnen und Schüler kann eine Schülerin nicht schreiben und etwa fünf können zwar rechnen,

kennen aber die Zahlen nicht...»

 

Geduld und Flexibilität gefragt

Bereits nach dem ersten Schultag hatten wir viele Ideen, was wir mit den Schülerinnen und Schülern machen könnten. Wir dürfen auch neue Sachen ausprobieren, welche die Klasse noch nicht kennt, wie beispielsweise Zahlenmauern, diverse Spiele, Stafetten oder Fangspiele im Sportunterricht. Es scheint den Schülerinnen und Schüler zu gefallen, neue Dinge zu lernen und auszuprobieren. Im (Schul-)Alltag ist oft Geduld gefragt, da es die Leute hier gemütlich nehmen und nicht gross an Pünktlichkeit gewöhnt sind. Auch Flexibilität ist gefragt, denn jeder Tag könnte eine Überraschung bieten und das Geplante müsste beiseite gelegt werden. Wir haben uns aber schon langsam an diese Begebenheiten gewöhnt und sind nicht mehr sehr überrascht, wenn man etwas nicht so vorfindet, wie erwartet.

 

3 Stunden länger als geplant

Am Freitag der ersten Woche war «Entrepreneurship-Day». Da ging es darum, dass die 8. bis 10. Klasse lernten, wie man ein Unternehmen startet. In einer Halle, nicht weit entfernt von der Schule, verkauften sie Esswaren und priesen diese an. Es wurde den ganzen Tag unterhalten (mit dem Schulchor, traditionellen Tänzen, Spielen und einer Band aus Rundu), jedoch dauerte alles drei Stunden länger als geplant.

 

Ich lassen mich überraschen, was uns die nächsten drei Wochen noch bringen mögen und freue mich auf diese Zeit.

Sportunterricht auf dem Schulgelände - hier dürfen wir neue Ideen einbringen.

 

Der Mathematikunterricht mit Zahlenmauern kommt bei den Kindern gut an.

 

Zeit ist relativ; die traditionellen Tänze und Gesänge am «Entrepreneurship-Day» dauerten rund 3 Stunden länger als geplant.