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INTERTEAM Student 2018

Eliane Keller

Steckbrief zu Eliane Keller

 

Aktueller Grad im Studium 

Hochschule für Soziale Arbeit - Sozialarbeit, Luzern, 4. Semester

 

Projekt-Einsatzdauer

15. Juli 2018 - 16. September 2018

 

Einsatzland

Cartagena de Indias, Kolumbien

 

Betreuung vor Ort durch INTERTEAM Fachperson

Marcus Müller (Lokale INTERTEAM-Fachperson)

 

Arbeitsgebiet

Tätigkeit im Umweltbildungsprogramm der beiden Organisationen «Planeta Azul» und «Actuar por Bolivar». Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie mit Lehrkräften und Schulbehörden:

  • Mitarbeit bei der Gestaltung und Durchführung der Workshops mit den jugendlichen Umweltschützenden
  • Sensibilisierungsarbeit mit den jugendlichen Umweltschützenden in den Schulen und Quartieren
  • Unterstützung der Projekte der jugendlichen Umweltschützenden zu Recycling (in Kooperation mit Che Amigo)

 


Erlebnisbericht 2: Mit Recycling-Projekten nachhaltige Veränderungen bewirken

Nun geniesse ich schon seit zwei Monaten die Sonne und die Wärme der Karibik. Doch für Freizeit bleibt in diesem arbeitsintensiven und spannenden Projekt kaum Zeit.

 

Aktionslinie «Bildung»

Wie in meinem letzten Bericht beschrieben, arbeite ich vor allem in der Aktionslinie «Bildung». Mit viel Freude begleite ich unter anderem die Prozesse der vielseitigen Mikroprojekte der jugendlichen Umweltschützenden. Projektideen waren beispielsweise die Wiedergewinnung von Grünflächen, die Errichtung von Recyclingstellen, Kompostanlagen an verschiedenen Schulen, Bildungseinheiten für die Primarschule, die Komposition eines Lieds, ein Upcycling-Kunstwerk oder die Erstellung eines 4D-Raums für Bildungszweck - alles um aufzuzeigen, wo der Klimawandel hinführt.

 

Mich fasziniert dabei, wie die Jugendlichen im Rahmen des Projekts eigene Sozial- und Selbstkompetenzen erlernt haben, was sich nachhaltig positiv auf ihr Leben auswirken. So beschäftigen sich beispielsweise einige der ältesten Jugendlichen mit der Lancierung einer eigenen Firmen.

 

Beispiel eines Mikroprojekts: 3 Jugendliche sammeln Recyclingmaterial

Speziell gefällt mir das Projekt von drei Jugendlichen, welches ich an dieser Stelle beispielhaft für die vielen spannenden Projekte vorstellen möchte.  Die drei Schülerinnen wohnen in einem besonders gefährdeten Stadtteil Cartagenas, wobei Umweltverschmutzung und die Abfallproblematik eine grosse Herausforderung darstellen. Aus Sicherheitsgründen und aufgrund der geografischen Begebenheiten profitiert dieses Stadtviertel nicht von initiierten Recycling-Routen. Die drei Jugendlichen haben sich demzufolge zum Ziel gesetzt, mit «Tür-zu-Tür»-Anlässen die Familien der Schülerinnen und Schüler ihrer Schule zum Thema Abfalltrennung zu sensibilisieren.

 

Dazu werden sie von einer Pädagogin und Expertin im Bereich Abfalltrennung unterstützt. Gemeinsam wird pädagogisches Material entwickelt und ein Vorgehensplan ausgearbeitet. Ziel ist es, selbstverständlich in Rücksprache mit der Schule, eine Sammelstelle in einem Lager der Schule einzurichten, wo das Recyclingmaterial gesammelt und später einem «Recycler» übergeben werden kann. Der Übergabe des Recyclingmaterials an sogenannte «Recyclers» stellt für viele «Recyclers» die Existenzgrundlage dar. Diese verkaufen das Material anschliessend an eine Recyclingfirma. Um die Nachhaltigkeit zu sichern und für eine erfolgreiche Umsetzung des Projektes ist die Zusammenarbeit mit dem Rektor der Schule, der Schulgemeinschaft, «Recyclern», Recyclingfirmen und der Präsidentin des Quartiers ausschlaggebend.

 

Damit die jugendlichen Umweltschützenden den Aufgaben ihres Projekts auch tatsächlich gewachsen sind, werden sie wöchentlich in Sozial- und Selbstkompetenz geschult. An den Anlässen werden Themen wie gewaltfreie Kommunikation, Präsentationskompetenzen etc. vermittelt und geübt.

 

Es profitieren unzählige Kolumbianerinnen und Kolumbianer

Besonders bemerkenswert finde ich, dass "Navegando por Cartagena" auf verschiedenen Ebenen eine Vielzahl von Leuten anspricht, was dazu führt, dass Arbeiten aus diesem Projekt nachhaltig unzähligen Kolumbianern/-innen zu Gute kommen und tiefgreifende Prozesse in Gang setzen.  So wird der Fokus stets auf Umwelt- und Gewässerschutz in Cartagena gesetzt. Das Projekt generiert Arbeit und in Kursen werden die Leute in Selbst- und Sozialkompetenz gestärkt, was sich langfristig unmittelbar auf die Lebensqualität der Bevölkerung auswirkt.

 

Abschliessend kann ich sagen, dass ich dank diesem Projekt in das Leben unzähliger «Cartageneros» und «Cartageneras» hineinschauen, von ihrer Lebensweise lernen und mich von den spannenden Gesprächen für mein eigenes Leben inspirieren lassen durfte. Es war für mich grossartig, neun Wochen direkt am Meer unter der karibischen Sonne wohnen zu dürfen, in steter Begleitung von ein bisschen Chaos, lauter Musik und ganz viel Unvorhersehbarem und Unplanbarem. Ich bin unglaublich dankbar und mir wird mein Aufenthalt in bester Erinnerung bleiben. Ich danke allen ganz herzlich, die mich in diesem Projekt unterstützt haben.

 

Eliane Keller

Individuelle Prozessbegleitung des Mikroprojekts der im Beispiel erwähnten Jugendlichen.

 

Workshop mit jugendlichen Umweltschützenden zum Thema gewaltfreie Kommunikation.

 

Artikulationsübung im Workshop "Präsentation" mit jugendlichen Umweltschützenden.

 

Fluss Juan Angola an der problematischten Stelle, wo die Kontraste zwischen Arm und Reich und die ganze Umweltverschmutzung gut erkennbar sind.


 

Erlebnisbericht 1: Navegando por Cartagena, Kolumbien

Unzählige Farben, laute Musik, Lebensfreude, eine wunderschöne Altstadt und viele Touristen – das sind wohl die bekanntesten Schlagworte die Cartagena de Indias in Kolumbien auszeichnen. Im vergangenen Monat durfte ich all das kennenlernen und noch viel mehr. Die Stadt ist geprägt von Gegensätzen. Und so sehen die Leute, die am Strand in komfortablen Hochhäuser wohnen, direkt in die Armenviertel der Stadt.

 

In einem solchen Viertel absolviere ich zurzeit meinen Kurzeinsatz bei der Organisation «Planeta Azul». Die Organisation setzt sich mit dem Projekt «Navegando por Cartagena» für den Schutz des Flusses Juan Angola ein. Die Arbeit in diesem Projekt gefällt mir sehr, wobei ich erst langsam die Komplexität des Projekts mit den unzähligen Playern zu verstehen beginne.

 

«Navegando por Cartagena» fokussiert drei Aktionslinien: Bildung, Unternehmen, Politik. Die erste Aktionslinie «Bildung» arbeitet mit einer ausgewählten Gruppe Jugendlicher, welche sich neben dem kolumbianischen Sekundarschulalltag (Unterricht ausschliesslich am Vormittag) nachmittags freiwillig als jugendliche Umweltschützer engagieren. Die Jugendlichen erhalten Unterrichtseinheiten zu den verschiedensten Themen im Bereich Umweltschutz, Selbst- und Sozialkompetenz und werden bei der Realisation von selbstentwickelten Projekten an ihren Sekundarschulen unterstützt.

 

Bewusstsein für Umweltschutz bei neuer Generation schaffen

Zu dieser Aktionslinie gehört auch die Zusammenarbeit mit den Rektoren/-innen und Lehrpersonen der Schulen und Hausbesuche bei den Jugendlichen. Die Arbeit mit den Jugendlichen soll helfen, bei der neuen Generation ein Bewusstsein für Umweltschutz zu wecken, ihnen neue Perspektiven geben und sie für ihre Zukunft zu sensibilisieren. In Zusammenarbeit mit diesen Jugendlichen werden zudem sogenannte Tür-zu-Tür-Anlässe («Puerta-a-Puerta») organisiert, bei welchen den Leuten bei ihnen zu Hause erklärt wird, wie Recycling funktioniert. Diese Sensibilisierungsarbeit schafft die Grundlage zur Existenzsicherung der unzähligen «Recyclers» Cartagenas.

 

Wie dem eigentlichen spanischen Namen der jugendlichen Umweltschützer «Guardianes ambientales multiplicadores» zu entnehmen ist, ist das Ziel dieser Aktionslinie, gemeinsam mit den Jugendlichen ein Umdenken zu erreichen und dieses zu multiplizieren, in den Schulen, in der Familie, in der Nachbarschaft und schliesslich im ganzen Stadtviertel.

 

Unternehmer für Umweltschutz mobilisieren

Mit der zweiten Aktionslinie werden die Unternehmen entlang des Flusses Juan Angolas angesprochen. Gemeinsam mit der Psychologin des Projekts und dem Recycling-Zentrum des Stadtteils wird versucht, mit den Unternehmen nachhaltige Umweltpraktiken zu erarbeiten, die sich nicht nur positiv auf die Umwelt, sondern auch auf deren Wirtschaftlichkeit auswirken sollen, womit den Leuten die Existenzgrundlage gesichert werden kann. Zudem werden Recycling-Routen ausgearbeitet und betreut, die von den «Recylers» bearbeitet werden und zu einem Fortschritt im Bereich Umweltschutz beitragen.

 

Auch politische Einflussnahme notwendig

Schliesslich versucht das Projekt auch auf politischer Ebene, in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden nachhaltig eine Verbesserung der Umweltbedingungen und des Zustandes des Flusses Juan Angolas zu erreichen. Das Ziel ist es schliesslich, diesen Fluss für Ecotourismus nutzbar zu machen, was für die Menschen dieses Stadtteils eine grosse wirtschaftliche Chance sein würde.

 

Während meinem Field Practice bin ich hauptsächlich im Bereich Bildung tätig. Ich nehme an den wöchentlichen Sitzungen mit den Rektoren der Sekundarschulen teil, gestalte mit den Jugendlichen Projekte, begleite Hausbesuche bei den Jugendlichen und helfe bei der Organisation von Aktivitäten und Anlässen in diesem Stadtteil mit. Ich bin glücklich, in diesem zwar sehr komplexen aber extrem vielseitigen und wirkungsvollen Projekt an der Front mithelfen zu dürfen.

Anlass zum Jubiläum des Stadtviertels "7. August" – Sensibilisierungsarbeit in der Gemeinde zum Thema Umweltschutz mit Informationsständen.

 

Vorbereitungen zum Jubiläumsanlass 7. August mit den jugendlichen Umweltschützenden.

 

Prozessbegleitung der Umweltprojekte an den Sekundarschulen.

 

Gruppenfoto mit den jugendlichen Umweltschützenden am Jubiläumsanlass zum Feiertag 7.August.